
Don Bosco Gedenktag: Jugendliche wollen gehört werden
Rückmeldungen von Kindern und Jugendlichen aus dem Umfeld von Don Bosco-Einrichtungen geben Einblick in aktuelle Anliegen junger Menschen. Gefragt danach, wo sie sich mehr Gehör wünschen, nannten viele vor allem ihr privates Umfeld. Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, dass Erwachsene zu eigenen Fehlern stehen und Kinder und Jugendliche nicht unter Druck setzen sollen. Besonders berührend waren Rückmeldungen aus der offenen Jugendarbeit: Ein elfjähriger Junge betonte, wie wichtig es sei, Mobbing ernster zu nehmen, „weil es so viele Kinder betrifft“. Ein Jugendlicher berichtete davon, dass sein Berufswunsch nicht ernst genommen werde. Andere wünschten sich mehr Respekt im Gespräch – nicht unterbrochen oder übergangen zu werden – und betonten, wie schwer es oft sei, über Gefühle zu sprechen: „Manchmal können Kinder nicht sagen, wie es ihnen geht, weil sie sich nicht trauen oder nicht wissen, wie.“
Mehrere Rückmeldungen machten auch Zukunftsängste deutlich. Jugendliche beschrieben Unsicherheit darüber, wie ihr Leben und die Gesellschaft sich entwickeln werden. „Ich weiß nicht, was in zehn Jahren sein wird. Das macht mir Angst“, brachte es eine Schülerin auf den Punkt.
Was diese Stimmen im Kleinen zeigen, ist kein Randthema. Zahlreiche nationale und internationale Jugendstudien bestätigen seit Jahren: Junge Menschen wollen beteiligt werden. Sie spüren sehr genau, wenn Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg getroffen werden. „Zuhören ist dabei keine Frage von Freundlichkeit“, so Provinzleiterin Sr. Petra Egeling, „sondern eine Grundlage für Vertrauen, Selbstwirksamkeit und demokratisches Lernen.“
Zuhören als Haltung
Für die Don Bosco Schwestern ist Zuhören kein pädagogisches Werkzeug, sondern Ausdruck ihrer Haltung. Don Bosco hat junge Menschen nicht von oben herab erzogen, sondern ihnen zugehört, sie ernst genommen und ihnen Verantwortung zugetraut. Diese Haltung prägt die Arbeit der Don Bosco Schwestern in Österreich und Deutschland – in Schulen ebenso wie im Elementarbereich und in der offenen Jugendarbeit.
Praxisbeispiel Deutschland
In der offenen Jugendarbeit des Don Bosco Kinder- und Jugendzentrum Magdeburg erleben Kinder und Jugendliche vor allem, wie wichtig echte Beteiligung im Alltag ist. Hier treffen junge Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten auf Fachkräfte, die zuhören, begleiten und unterstützen.
„Viele Jugendliche haben das Gefühl, dass sie mit ihren Sorgen allein bleiben. Bei uns erleben sie: Da hört mir jemand zu. Und das macht einen Unterschied – für ihr Selbstvertrauen und dafür, wie sie ihren Platz in der Gesellschaft sehen. Zuhören verhindert Rückzug, Resignation und Radikalisierung“, sagt Sr. Bernadeth Geiger, Sozialarbeiterin im Don Bosco Jugendzentrum Magdeburg.
Praxisbeispiel Österreich
An den Don Bosco Schulen Vöcklabruck bietet insbesondere die Schulpastoral Räume, in denen Schülerinnen und Schüler mit ihren Fragen und Anliegen gehört werden. Darüber hinaus werden Jugendliche eingeladen, sich aktiv einzubringen. Ein Beispiel dafür ist das sogenannte „Stell-dir-vor“-Labor, bei dem im vergangenen Schuljahr eigene Projektideen für die Region entwickelt und Verantwortlichen präsentiert wurden. „
„Wenn junge Menschen ernst genommen werden, entstehen Ideen, die wirklich etwas bewegen können. Ich bin sehr stolz auf unsere Schülerinnen“, sagt Margit Gangl, Schulleiterin der Don Bosco Schulen Vöcklabruck.

Im Rahmen eines viertägigen Workshops – dem „Stell dir vor-Labor“ – entwickelten Schüler:innen der BAfEP Vöcklabruck kreative Ideen für die Region und machten daraus greifbare Projekte.
Warum Zuhören Zukunft schafft
Zum Don Bosco Gedenktag erinnern die Don Bosco Schwestern daran, dass das Ernstnehmen junger Stimmen kein pädagogischer Luxus ist. Wer Kindern und Jugendlichen zuhört, stärkt nicht nur ihr Selbstvertrauen, sondern investiert in eine verantwortungsfähige, solidarische und demokratische Gesellschaft.
(Medienreferat)

