
Wie ein bewässerter Garten
Frau Holzmann, was genau sind Gartenexerzitien?
Meine Erfahrung ist es, dass verschiedene Menschen verschiedene Formate von Exerzitien brauchen. Zunächst einmal haben Gartenexerzitien die gleiche Grundstruktur wie andere auch: persönliche und gemeinschaftliche Gebetszeiten, durchgehendes Schweigen, biblische Impulse sowie das persönliche Begleitgespräch. Was sie besonders macht: Wir integrieren ein bis zwei Stunden Gartenarbeit in den Tagesablauf. Ein großes Glück ist, dass die Landschaftsarchitektin Andrea Göring mit so viel Kompetenz und Leidenschaft dabei ist. Das gibt es nur in Baumkirchen. Bei Gartenexerzitien liegt es nahe, dem symbolischen und theologischen bedeutungsgehalt des Gartens nachzugehen und biblische Texte zum großen Thema „Schöpfung“ zu meditieren. Die ersten Seiten der Heiligen Schrift berichten davon, dass der Mensch in einen Garten gelegt wird. Prophetische Texte und die Weisheitsliteratur nehmen das Bild des Gartens auf. Das Neue Testament schildert eindrücklich das Ringen Jesu im Garten Gethsemane. Maria Magdalena begegnet dem auferstandenen Herrn im Garten. Blaise Pascal bringt es auf den Punkt: „In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten wurde sie erlöst.“
Was macht Schloss Wohlgemuthsheim so besonders für Gartenexerzitien?
Schon wenn man den Garten betritt, begrüßt uns an der Mauer ein großes Leitwort von Maria Mazzarello: „Schenk dem Garten deines Herzens deine Aufmerksamkeit.“ Darum geht es. Dazu kommt die wunderbare Landschaft, der „Große Bettelwurf“ hinter dem Haus, der Blick auf die Kirche, der Fallbach. Berg und Fluss stehen dabei für Polaritäten, in die wir gestellt sind. Wir haben zum einen das Stabile im Wohnturm des Geistlichen Zentrums und gleichzeitig das Fließende. Dazu kommt diese außergewöhnliche Gastfreundschaft, so fühlt man sich selbst im Haus wie in einem Garten: sicher und frei.
Was bewirken Gartenexerzitien?
Zunächst ist es oft so: Wenn man in die Stille geht, kann es in der Seele ziemlich laut werden. Themen rühren sich, denen man sonst nicht so viel Zuwendung schenkt. Ein Glück, wenn ich mich dann dem nie verhallenden Suchruf Gottes stelle und wie Adam fragen lasse: „Mensch, wo bist Du? Wo bist du hingeraten?“ Ich darf mich auch im Blick auf mein Leben fragen, wie es um meine Gottesbeziehung steht, wie ich geistlich weiterwachsen kann. Gerade das Tun im Garten stößt diese Prozesse an. Beim Unkraut jäten etwa stellt sich die Frage: „Lass ich es stehen – oder nicht?“ Manche entdecken darin ein Bild für negative Gedanken, die Energie rauben. Wie entscheide ich dann? Was pflege ich, was reiße ich aus? Eine besonders schöne Erfahrung ist, dass das persönliche und doch gemeinsame Tun als stärkend erlebt wird. Immer wieder wurden wir mit der Erfahrung beschenkt, dass im Laufe der Woche ein tiefes Einverständnis entstand, etwa durch einen aufmunternden Blick oder die Achtung voreinander. Unser Beitrag im Garten mag unspektakulär sein, doch die Zustimmung zum Jetzt, das Erleben von Sinn, das persönliche Engagement und die Freude, miteinander auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten und sich als Teil der Schöpfung zu erfahren, haben heilende Wirkkraft.
Welche Rolle spielt die körperliche Arbeit?
Wir unterschätzen in geistlichen Prozessen oft die Bedeutung unseres Leibes. Die körperliche Arbeit garantiert die ganzheitlichenProzesse in diesen Exerzitien. „Der Mensch braucht Erde unter den Füßen, sonst verdorrt ihm das Herz“, sagt Gertrud von le Fort. Wer körperlich eingeschränkt ist, kann trotzdem teilnehmen. Es gibt immer Alternativen!
Sich einbringen oder genießen – beides hilft, Geschöpf zu sein und der Verheißung näher zu kommen: „Du wirst sein wie ein bewässerter Garten“ (Jes 58,11).

Carola Holzmann leitet die Gartenexerzitien im Schloss Wohlgemutsheim in Baumkirchen.
Die nächsten finden von 14. – 19. Juni 2026 statt. Informationen und Anmeldung auf www.schlosswohlgemutsheim.at
Text: Karoline Golser, Fotos: Don Bosco Schwestern
Dieser Beitrag ist in der Zeitschrift Mariam der Don Bosco Schwestern, Ausgabe 1/2026, erschienen.

