Eine Ausbildung als Schritt in die Unabhängigkeit.

Eine silberne Schneiderschere liegt vor der jungen Frau auf dem Tisch. Die Saumnaht, die Clarisse kurz zuvor in den braunen Baumwollstoff mit einer alten „Singer Butterfly“ gesetzt hat, verläuft schnurgerade. An der Nähmaschine mit Baujahr 1920 sitzen zu können, bedeutet für die 16-Jährige, in Mali eine Zukunftsperspektive zu haben.
Text: Karoline Golser Fotos: Sr. Bernadette Kaita, Touba

Clarisse ist in Touba geboren und aufgewachsen, einem Dorf mit 2.000 Einwohnern des Bo-Stammes. Es liegt 150 km von der Grenze zu Burkina Faso und 580 km von Bamako, der Hauptstadt Malis, entfernt. Dort ist im März dieses Jahres die Regierung zurückgetreten. Auslöser war der Überfall auf ein Dorf in Zentralmali, bei dem 160 Menschen getötet wurden. Die Regierung hat es nicht geschafft, die ethnische und religiöse Gewalt, die seit vielen Jahren im Land umgeht, in den Griff zu bekommen. Ein schwieriges Unterfangen auch für die neue Regierung. Viele junge Menschen verlassen deshalb ihr Heimatland. Sie sehen für sich in dem westafrikanischen Staat keine Zukunft mehr.

 

Arbeit in den Gemeinden schaffen

Seit 1985 sind die Don Bosco Schwestern vor Ort und arbeiten daran, den jungen Menschen auf kommunaler Ebene eine Zukunftsperspektive zu geben. „Wer in seiner Gemeinde Arbeit findet oder ein kleines Unternehmen aufbauen kann, der bleibt“, erklärt Don Bosco Schwester Bernadette Kaita, Leiterin des Ausbildungszentrums der Don Bosco Schwestern in Touba. „Unser Augenmerk liegt dabei auf den jungen Mädchen und Frauen. Sie werden in Mali besonders benachteiligt.

In Mali werden Mädchen oft früh verheiratet und haben kaum Chancen, familiären und gesellschaftlichen Zwängen zu entkommen. Eine Ausbildung ist für viele der Schritt in die Unabhängigkeit.

Lernzentrum für Mädchen

Das Touba-Frauenförderungszentrum wurde im Jahr 2007 gegründet. Zu Beginn gab es drei Nachmittage pro Woche, an denen die Mädchen Unterricht im Nähen bekamen. Die Schwestern boten die Möglichkeit, Kleidung für ihre Familien herzustellen oder kleine Gegenstände zu produzieren und zu verkaufen.

Doch viele Mädchen heiraten bereits mit 13 oder wurden schwanger. „In Mali werden viele Frühehen geschlossen“, so Schwester Bernadette Kaita. „Danach haben Mädchen praktisch keine Chancen mehr auf eine Ausbildung. Sie sind von ihrem Mann und dessen Familie abhängig.“ So entwickelte sich die Idee, ein Lernzentrum für Mädchen zu eröffnen, um präventiv tätig werden zu können.

 

Friseurhandwerk soll dazukommen

Während der Ausbildungszeit können die Mädchen im Internat bei den Schwestern wohnen. Das Zentrum bot bisher drei Handwerkskurse in den Bereichen Schneiderei, Kunststoffverarbeitung und Marmeladenherstellung an. Nun soll das Ausbildungsangebot um das Friseurhandwerk erweitert werden. „Kosmetik und Styling sind bei den jungen Frauen sehr beliebt und es gibt eine große Nachfrage in der Bevölkerung“, erklärt Schwester Bernadette Kaita.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und ist für Mädchen und Frauen im Alter von 13 bis 23 Jahren. Sie kommen aus armen und benachteiligten Familien, aber vor allem wird gefährdeten Mädchen und jungen Frauen, die sich in schwierigen Situationen befinden, ein Platz zur Verfügung gestellt.

 


Wollen auch Sie die Missionsprokur der Don Bosco Schwestern unterstützen? Informationen, wie Sie den Mädchen in Touba helfen können, finden Sie auf www.fmamission.de

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