Unterwegs für die Yanomami

Die Yanomami zählen zu den größten indigenen Völkern Südamerikas. Ihr Zuhause ist der Regenwald von Venezuela und Brasilien. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts lebten sie dort isoliert vom Rest der Welt. Als man in ihrem Land Gold entdeckte, begann die Zerstörung ihrer Kultur und ihres Lebensraumes. Missionsschwester Jarmila Chorovská lebt seit neun Jahren bei den Yanomami im Alto-Orinoco-Gebiet im Süden Venezuelas. Bei einem Besuch in München hat sie Mariam von ihrem Leben dort berichtet.
Text: Markus Höllbacher
Fotos: Missionsschwester Jarmila Chorovská, FMA

Ich esse zurzeit sehr viele Kartoffeln und Brot“, antwortet Schwester Jarmila Chorovská auf die Frage, wie sehr die Yanomami von der Krise in Venezuela und der Hungersnot betroffen sind. „Wir leiden im Regenwald genauso unter den Folgen wie die restliche Bevölkerung des Landes. Auch bei uns sind die Lebensmittel rar, dringend benötigte Medikamente oder Treibstoff für Generatoren und Boote fehlen.“ Einzig von der ausufernden Gewalt, die derzeit in Venezuelas Städten um sich greift, bleibe man halbwegs verschont.

Eineinhalb Tage braucht Schwester Jarmila in der Regel, um die Missionsstationen Ocamo und Mavaca mit Flugzeug und Boot zu erreichen. Hier gibt es Grundschulen, handwerkliche Kurse und eine kleine Schneiderei.

Dass Bildung bei den indigenen Völkern stark forciert wird, hat mit den vielen Bodenschätzen Südamerikas zu tun. „Wie andere indigene Völker sind auch die Yanomami Opfer von Raubbau und Umweltverschmutzung geworden. Ständig wird in ihr Territorium eingegriffen, meistens illegal. Die Menschen können sich nur zur Wehr setzen, wenn sie ihre Rechte kennen. Dafür müssen sie aber lesen und schreiben können“, erklärt Schwester Jarmila.

 

Schwester Jarmila Chorovská mit einem Jungen der Yanomami.

Doch Bildung steht zurzeit in Ocama und Mavaca nicht mehr an erster Stelle. Das Leben hier ist schwer geworden. „Die Menschen hungern, sie bauen Maniok an oder gehen jagen. In den Schulen geben wir Essen aus, wenn etwas da ist. Doch die Schulkinder werden immer weniger. Sie kommen mit Ruderbooten – das ist für einige zu anstrengend“, erzählt Schwester Jarmila. Die Gehälter der Lehrer sind nichts mehr wert, deshalb kommen auch sie oft nicht mehr. „Für einen Sack Geld bekommen wir gerade mal zwei Streichholzschachteln.“ Bezahlt wird jetzt mit Naturalien, zum Beispiel mit Angelhaken.

Schwester Jarmila lässt sich aber nicht unterkriegen. Mit Spenden, die sie vom Solidaritätsverein der Don Bosco Schwestern erhalten hat, will sie Stoff für Moskitonetze kaufen. Mit den Frauen von Mavaca wird sie die Netze nähen. Auch Antibiotika und Malariamittel sind unterwegs – wann die Medikamente ihr Ziel erreichen, ist ungewiss. Irgendwann, zeigt sich Schwester Jarmila optimistisch, kommen sie doch an.

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