Grüße aus Abidjan

Die Kinder der Teepflückerinnen

Die Tiroler Missionsschwester Johanna Denifl lebt und arbeitet in der Fünf-Millionen-Einwohner-Metropole Abidjan in der Elfenbeinküste. Die Stadt war bislang das  Epizentrum der Pandemie. Sie wurde im März für rund zwei Monate abgeriegelt. In einem Brief erzählt Sr. Johanna Denifl, wie sie die letzten Monate erlebt hat.

Text und Fotos: Sr. Johanna Denifl

Nachdem am 11. März 2020 der erste Covid-19-Kranke an der Elfenbeinküste registriert wurde, gab es sofort rigorose Maßnahmen: Schul-, Kultstätten- und Restaurantschließungen, nächtliche Ausgangssperren, Maskenpflicht und vieles mehr. Trotzdem stieg die Zahl der Infizierten langsam, aber stetig an. Ende Juli lag die Zahl der Erkrankten bei rund 16.000.

In Abidjan betreiben wir Don Bosco Schwestern eine Volks- und Berufsschule sowie das Foyer Maria Domenica, ein Wohnheim für schutzbedürftige Mädchen. Bis jetzt blieben wir vom Coronavirus verschont. Den Mädchen wie auch den Schwestern geht es gut. Nachdem für zweieinhalb Monate alle Schulen geschlossen waren, haben wir die Zeit im Foyer genutzt, um viele Aktivitäten gemeinsam zu machen, z.B. Kinderyoga, plastische Kunst und Tanz. Unsere Mädchen waren auch bei einem Radiotermin zum Tag des afrikanischen Kindes am 16. Juni. All das hat das Klima unter den Mädchen sehr positiv beeinflusst.

Ferien in zwei Gruppen

Im Juli wurden die Kinder in zwei Gruppen in die Ferien entlassen. Während eine Hälfte im Foyer blieb, ist die andere für zwei bis drei Wochen zu ihren Familien oder Pflegefamilien geschickt worden. Danach wurde getauscht. Somit konnten wir die Zurückkehrenden gut beobachten und bei Verdachtsfall wären weniger von den Konsequenzen betroffen gewesen. Die Kinder wurden vor dem Verlassen des Heims neuerlich sensibilisiert und haben strikte Anweisungen erhalten, wie sie sich daheim verhalten müssen. Die Eltern waren informiert und haben gut kooperiert. Ich und meine Mitschwestern vermeiden unnötige Ausgänge und sind nur für Einkäufe oder notwendige Sozialarbeit in den Familien unterwegs.

Verunsicherung und Gerüchte

Zu Beginn der Corona-Krise herrschten in Abidjan viel Verunsicherung und Angst. Gerüchte breiteten sich aus, wie jenes, dass ein Impfstoff an Afrikanern ausprobiert werden soll. Die anfängliche Angst scheint verflogen zu sein, denn immer mehr halten sich nicht an die von der Regierung vorgegebenen Maßnahmen. Man hört immer wieder Leute sagen: „Das Coronavirus existiert nicht!“ Generell werden eher wenig Tests gemacht. Auf die Ergebnisse wartet man oft zweieinhalb Wochen. Zurzeit geht die Angst um, dass Tote in Krankenhäusern als Covid-19-Tote deklariert werden, damit der Sarg versiegelt und der Leichnam für Organhandel verwendet werden kann. Derzeit zirkuliert ein Video aus Kamerun, wo Verwandte Verdacht geschöpft und den Sarg gewaltsam geöffnet haben. Der Tote wurde ohne Organe vorgefunden.

Maßnahmen sind existenzbedrohend

Ich bin überzeugt, dass sich die Pandemie an der Elfenbeinküste im Herbst weiter ausbreiten wird. Die Maßnahmen greifen nicht. Es ist auch schwierig, striktere Anordnungen für längere Zeit einzuführen. Für die Menschen hier sind die Corona-Maßnahmen existenzbedrohend, weit mehr als in Europa. Der Großteil arbeitet auf dem informellen Arbeitsmarkt, und für diese Menschen steht kein Auffangprogramm der Regierung bereit.

16 Novizinnen sitzen fest

Normalerweise finden in den großen Ferien in der Westafrikanischen Provinz der Don Bosco Schwestern die Versetzungen in andere Gemeinschaften statt. In diesem Jahr wurden sie reduziert. Allerdings sitzen 16 Novizinnen, auch aus Madagaskar, Angola oder Equatorialafrika, bei uns in Abidjan fest. Sie sollten eigentlich nach ihrer Ersten Profess am 5. August zurück in ihre Gemeinschaften. Derzeit sieht es überhaupt nicht danach aus, dass die Grenzen bald wieder geöffnet werden, sind die Zahlen doch stetig am Steigen.

Corona-Krise und Wahlen im Herbst

Nicht nur wegen Corona steht der Elfenbeinküste ein unruhiger Herbst bevor. Im Oktober finden die Präsidentschaftswahlen statt. In der Geschichte des Landes gab es sehr oft gewaltsame Konflikte rund um Wahlen. Es könnte turbulent werden, ich hoffe aber sehr, dass die Lage friedlich bleibt.

Um die volle Funktionalität unserer Website zu gewährleisten bzw. unser Angebot zu optimieren, setzt unsere Website Cookies. Weiterlesen …