Die Kinder der Teepflückerinnen

Die Kinder der Teepflückerinnen

Wo die Armut am größten ist, wittern Menschenhändler gute Geschäfte. In den Teegärten von Assam fallen die Kinder der Teepflückerinnen oft in die Hände von Schleppern. Don Bosco Schwester Annie Enchenatil will das nicht hinnehmen.

Text: Karoline Golser
Fotos: Hartmut Schwarzbach/missio

Der Assam-Tee wird im Nordosten von Indien entlang des Flusses Brahmaputra in der Hochebene von Assam angebaut. Rund 2.000 Teeplantagen liegen hier. Der Schwarztee aus dieser Region ist sehr beliebt. Die Menschen, die diesen Tee ernten, leben allerdings in bitterer Armut. Es sind vorwiegend Frauen aus Adivasi-Familien, Angehörige einer indigenen Bevölkerungsgruppe, die auf den Teefeldern arbeiten und seit Generationen in Abhängigkeit von den Plantagenbesitzern leben. Zwei Euro sind der Tageslohn einer Teepflückerin, erfahren wir von Don Bosco Schwester Annie Enchenatil. Seit elf Jahren leitet sie in der Großstadt Guwahati das Zentrum „Auxilium Reach Out“, eine Initiative der Don Bosco Schwestern. Das Zentrum bietet Ausbildungsprogramme für Frauen und Mädchen an. Außerdem finden hier junge Frauen, die aus dem Landesinneren kommen, eine günstige Unterkunft, wenn sie Arbeit suchen oder eine Schule besuchen wollen.

Gegen den Menschenhandel
Im Jahr 2016 starteten die Don Bosco Schwestern eine Kampagne zur Bekämpfung des Menschenhandels, eines der größten Probleme in den Adivasi-Dörfern. „Die Menschenhändler sind oft Nachbarn oder sogar Verwandte. Sie suchen gezielt nach kinderreichen Familien und versprechen den Eltern eine gute Ausbildung für ihre Kinder oder Arbeit in der Stadt“, erzählt Schwester Annie. „Aber die Kinder erwartet dort Sklavenarbeit. Sie haben auch keine Papiere, können also nicht mehr nach Hause zurück.“

Adivasi-Frauen: Foto: Hartmut Schwarzbach/missio

Von den Kindern fehlt jede Spur
„Wenn wir in die Dörfer kommen und den Müttern erzählen, wo ihre Kinder von Schleppern hingebracht werden, sind sie sehr erschüttert. Manche wissen nicht, wo ihre Kinder sind. Von ihnen fehlt jede Spur“, berichtet Schwester Annie.

Die Don Bosco Schwestern setzen auf Aufklärung, um die Strategien der Menschenhändler aufzudecken. Ein Straßentheater, aufgeführt von Adivasi-Jugendlichen, ist ein Beispiel für viele Aktionen, die die Schwestern bereits in 30 Dörfern gestartet haben.

Die Kampagne zeigt Erfolge. „Wir haben Aufpasserteams ins Leben gerufen, Dorfbewohner, die auf Menschenhandel sensibilisiert und geschult werden. Eines Abends haben uns Frauen von drei jungen Mädchen erzählt, die einen Schlepper am Bahnhof treffen wollten. Wir haben ihnen geraten, in aller Früh zum Bahnhof zu gehen – das haben die Frauen getan. Sie haben die Mädchen gefunden, sie überzeugen können und wieder zurück ins Dorf gebracht.“

Don Bosco Schwester Annie Enchenatil

Don Bosco Schwester Annie Enchenatil, Foto: Hartmut Schwarzbach/missio
Don Bosco Schwester Annie Enchenatil macht mobil gegen den Menschenhandel in Assam. Foto: Hartmut Schwarzbach/missio

Ihre Spende hilft!
Das Internationale Katholische Missionswerk Deutschland unterstützt die Projekte der Don Bosco Schwestern in Guwahati. Spendenkonto: missio e.V.
IBAN DE23 3706 0193 0000 1221 22
BIC GENODED1PAX
Stichwort: Hilfe für Teepflückerinnen

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