Schulsystem in der Krise

Im Südosten der Demokratischen Republik Kongo liegt die Kleinstadt Kasenga. Die Don Bosco Schwestern betreiben hier das Bildungsprojekt Morano, zu dem ein Kindergarten, eine Grund- und weiterführende Schule sowie ein Ausbildungsprojekt für Jugendliche gehören. Seitdem die neue Regierung den kostenlosen Schulzugang versprochen hat, steckt das Bildungssystem des Landes in einer finanziellen Krise.

Text: Anna Enders/Karoline Golser
Fotos: Anna Enders

Die Schulklassen der Grundschule im Projekt Morano sind überfüllt. Zu fünft drängen sich Kinder auf viel zu schmalen Schulbänken – sie alle wollen vom Gratisunterricht profitieren, den der neue Präsident der Demokratischen Republik Kongo, Félix Tshisekedin, im Sommer 2019 für alle Schulkinder versprochen hat. Auch die ersten Klassen aller weiterführenden Schulen sollen kostenlos sein.

Viele Eltern waren begeistert von dieser positiven Veränderung im Schulsystem, denn der Schulbesuch ist für viele Familien im Land schlichtweg nicht leistbar. Die fatalen Folgen des Regierungsversprechens zeigten sich bei Schulbeginn im September: Viele der staatlichen Schulen platzen seither aus allen Nähten. So auch im Projekt Morano in Kasenga, wo Grund- und weiterführende Schulen staatlich sind: Waren bisher rund 600 Kinder an der Grundschule, so sind es mit dem neuen Schuljahr 800 Kinder. Auch die weiterführende Schule ist stark gewachsen.

„Dass nun viel mehr Kinder die Schule besuchen, ist natürlich eine wünschenswerte Entwicklung“, erklärt Don Bosco Schwester Kalwani Kabembo Immaculée. Sie ist Gemeinschaftsleiterin in Kasenga und kritisiert das Vorgehen der Regierung scharf. „Die Regierung trägt bis heute weder zur Finanzierung noch zur Umsetzung des Beschlusses bei. Bis jetzt ist noch kein Cent vom Staat an die Schulen geflossen, um die nötige Infrastruktur für die vielen neuen Schüler/innen zu schaffen. Besonders schlimm ist es aber für die Lehrerinnen und Lehrer. Sie erhalten seit über zwei Monaten keinen Lohn mehr!“

So auch die Lehrer/innen in Kasenga, die vom Staat bezahlt werden. Für die fünf Schwestern und ihre rund 40 Mitarbeiter/innen ist das eine Katastrophe. Üblicherweise erhalten die Lehrer/innen in Kasenga im Monat zwischen 25 und 45 Euro, viel zu wenig, um davon leben zu können. Ein oder zwei weitere Jobs sind nötig, um die eigene Familie irgendwie über Wasser zu halten. Zurzeit bekommen sie gar nichts.

Auch für Eltern und Kinder ist die aktuelle Situation schwierig. „Und das jetzt, wo Hoffnung und Motivation aufgeflammt sind“, bedauert Schwester Immaculée die Lage. „Kaum schien der Wunsch der kongolesischen Bevölkerung nach einer guten Ausbildung ihrer Kinder in Erfüllung zu gehen, kam die bittere Enttäuschung. Es herrscht große Verunsicherung, wie es weitergehen wird.“ Schwester Immaculée hofft aber, dass trotz der Verhältnisse den Kindern die Freude am Lernen erhalten bleibt.

Demokratische Republik Kongo
Fläche: 2.344.858 km2
Einwohner: 85 Mio.
BIP 2017/EW: $ 495
vgl. D: $ 44.550, Ö: $ 47.290
Quelle: Wikipedia

Wiedersehen in Kasenga

Im Schuljahr 2012/13 war Anna Enders mit dem Freiwilligendienst VIDES der Don Bosco Schwestern in Kasenga. Seitdem verbindet die Medizinstudentin aus Mainz mit den Menschen im Projekt Morano eine tiefe Freundschaft. Regelmäßig reist sie in die Demokratische Republik Kongo, um sich von der Entwicklung des Projekts ein Bild zu machen. Zuletzt besuchte Anna die Don Bosco Schwestern im Oktober 2019.

Bitte helfen Sie!
Mit Ihrer Spende können die Don Bosco Schwestern im Projekt Morano in Kasenga den Schulbetrieb weiterführen! Mit dem Geld sollen Schulbänke gekauft und Lehrerinnen und Lehrer finanziell unterstützt werden.

Spendenkonto:
VIDES Jugendvolontariat
IBAN: DE 54 7509 0300 0002 1205 42
BIC: GENODEF1M05
Liga-Bank München
Verwendungszweck: Spende 2012-AE

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