Werde, wer du bist!

Vor 45 Jahren wurden der Kindergarten und die vierjährige Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen der Don Bosco Schwestern am Standort Vöcklabruck eröffnet. Rosa Maria Huber war eine der ersten Schülerinnen. 1986 kam sie als Lehrerin an die Schule zurück und ist seit 2009 Abteilungsvorständin der BAfEP. Mit Mariam spricht sie über die Wichtigkeit der Elementarpädagogik.

Interview: Karoline Golser
Foto: Catharina Mayr-Stritzinger 

Warum sind Sie Kindergartenpädagogin geworden?

Einer meiner Lehrer, der Psychologe war, hat mir damals die Bildungsanstalt empfohlen. Das war 1976 und ich gehörte zum ersten Lehrgang der Schule. Das war schon etwas Besonderes und Spannendes.

Wie ging es nach der Ausbildung weiter?

Nach der Schule arbeitete ich sechs Jahre in einem Kindergarten am Land, fünf davon war ich Leiterin. Dort hat mich begeistert, wie hochtourig Kinder lernen können, sie sind hungrige Lerner. Seit dem dritten Berufsjahr bin ich in der Fortbildung in unterschiedlichen Bereichen der Elementarpädagogik tätig. Dann kam das Angebot, selbst zu unterrichten, und zwar an „meiner Schule“ in Vöcklabruck. Durch den Didaktiklehrgang erlangte ich die Berechtigung zum Unterricht an Bildungsanstalten für Kindergartenpädagogik. Ich arbeitete in verschiedensten Arbeitskreisen zur Elementarpädagogik und habe für die elementarpädagogische Fachzeitschrift „Unsere Kinder“ geschrieben. Meine persönliche Weiterbildung war mir immer wichtig. Nach meiner Elternzeit habe ich einen Hochschullehrgang für elementare Bildung mitentwickelt und auch selbst besucht – als Zeichen dafür, dass wir Möglichkeiten zur Weiterqualifikation in diesem Bereich brauchen.

Warum ist Elementarpädagogik so wichtig?

Jeder Mensch besitzt ein Potenzial, das in ihm steckt. Jeder hat andere Fähigkeiten. Meiner Meinung nach ist das das Wichtigste, worüber eine Gesellschaft verfügt! Für Kinder gilt es, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um dieses Potenzial zu entfalten. Wir ElementarpädagogInnen müssen herausfinden, was das Kind interessiert, denn Neugierde ist der Motor allen Lernens. Es gilt, auf die Lernbedürfnisse, Interessen und Fähigkeiten des Kindes einzugehen. Darauf müssen wir im Praxiskindergarten und in der Ausbildung Rücksicht nehmen. Deshalb finde ich den Satz „Werde, wer du bist!“ wichtig. Erst wenn ich das begreife, werde ich dem Menschen gerecht. Der Mensch braucht das, um gesund und glücklich durchs Leben zu gehen. Es gilt, in elementarpädagogischen Bildungseinrichtungen geeignete Bedingungen für das Lernen der Kinder zu schaffen. Im Praxiskindergarten der Don Bosco Schulen haben wir dafür die Lernwerkstätten eingerichtet.

Was kann ich mir als Laie unter Lernwerkstätten vorstellen?

Wir haben unsere Räumlichkeiten in einzelne Werkstätten unterteilt – man könnte auch Erfahrungsbereiche dazu sagen. Da gibt es zum Beispiel die Baustelle, auf der die Kinder mit vielfältigen Materialien planen und entwerfen, das Kinderhaus, in dem das Familienspiel Platz hat, wie auch die Theaterwelt, in der Verkleiden und Rollenspiele stattfinden. Wir haben ein Atelier, eine Kinderbibliothek, eine Schreibwerkstatt, ein Zahlenland, Forschertische und eine richtige Werkstatt, in der gehämmert, gesägt, zerlegt oder repariert wird. In diesen Erfahrungsräumen wird ausprobiert, geforscht und entdeckt. Das Kind muss sich selbst überlegen, wie es Ideen umsetzen möchte. Die Pädagogin begleitet und unterstützt. Zum Beispiel möchte ein Kind einen Kuchen backen. Dann wird gemeinsam überlegt, welche Zutaten dafür notwendig sind. Das Kind macht eine Einkaufsliste, z.B. in der Schreibwerkstatt. Zwar kann das Kind noch nicht schreiben, es benutzt vielleicht Symbole wie drei Äpfel. Aber es lernt die Vorgänge kennen, die Wege, wie es ans Ziel kommt. Es lernt, warum es Zahlen und Schrift braucht, und ein Rezept zu „lesen“.

Alles, was Kinder tun, ist für sie sinnvoll, so werden wichtige Kompetenzen erworben. Zusammenfassend kann man sagen: „Selber denken und selber tun macht gescheit.“

Sie sind das letzte Jahr an der Bildungsanstalt, im Herbst 2021 gehen Sie in den Ruhestand. Was werden Sie vermissen?

Die Unterrichtsarbeit und den Praxiskindergarten werde ich vermissen. Es ist schön, mitzuerleben, wie in jungen Menschen ein Feuer für die Elementarpädagogik entfacht wird.

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