Unser Hortleiter in Mils

Simon Stedile brach sein Studium für Bauingenieurswesen ab und sattelte auf Pädagogik um. Seit zwei Jahren betreut er nachmittags Volksschulkinder im Don Bosco Hort in Mils/Tirol. Im Frühjahr 2018 übernahm er die pädagogische Leitung. Mit Mariam hat Simon über seine Arbeit für und mit Kindern gesprochen.

Interview: Karoline Golser, Foto: Rudolf Sailer

Herr Stedile, wie lange sind Sie schon Hortpädagoge, und was hat Sie motiviert, in diesen Beruf einzusteigen?

Ich bin seit September 2017 im Hort in Mils tätig. Zunächst als Assistenzkraft und seit Mai 2018 als Pädagogischer Leiter.
Vorher habe ich Bauingenieurswesen studiert und auch in einem Ingenieurbüro gearbeitet. Ich merkte schon während meines Studiums, dass dieser Beruf nicht ganz der richtige für mich war, und brach es ab, um ans Kolleg für Sozialpädagogik nach Stams zu wechseln.

Die Gelegenheit, in dieser Branche nachhaltig Menschen positiv zu beeinflussen, ihnen Chancen zu ermöglichen und Türen zu öffnen, war für mich die beste Möglichkeit, meinen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten und meine persönlichen Bedürfnisse zu erfüllen. Ein gutes Zusammenspiel dieser zwei Faktoren stellt für mich die perfekte Arbeit dar.

 

Männer sind in der Betreuung von unter Zehnjährigen unterrepräsentiert. Sollten mehr Männer in diesem Bereich tätig sein? Gibt es Unterschiede zwischen einer weiblichen und männlichen Fachkraft?

Das stimmt. Ich denke aber nicht, dass das eine Geschlechterfrage ist, sondern viel mehr eine Frage des Typs. Solange Kinder eine gute Beziehung mit den Betreuenden aufbauen können und eine freie Entwicklung der Kinder möglich ist, spielt es keine Rolle, ob Männer oder Frauen diesen Job erledigen. Generell fände ich es wichtig, dass Kinder ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis ihrer Bezugspersonen erfahren und kein abwertendes Bild des jeweils anderen entsteht.
Natürlich gibt es Unterschiede. Aber die gibt es zwischen allen Menschen, und das ist gut so.

 

Lernzeit, Hausaufgaben, Benimmregeln oder Ähnliches: Ist der Hort „der verlängerte Arm“ der Schule oder kann bzw. soll der Hort mehr bieten?

Im Hort haben wir super Möglichkeiten, mit Kindern zu arbeiten. Ich sehe uns aber absolut nicht als verlängerten Arm der Schule. Im Gegenteil, es wäre mir oft recht, wenn es keine Hausaufgaben oder andere Verpflichtungen am Nachmittag geben würde. Diese schränken uns eher in der Freiheit ein, anderweitig mit Kindern zu arbeiten, an ihren Sozial- und Selbstkompetenzen zum Beispiel.

Diese Kompetenzen werden in der Schule oft sehr vernachlässigt oder kommen zu kurz, wobei ich sie als gleichwertig im Vergleich zur Sachkompetenz sehe, die in der Schule im Vordergrund steht.

Unser Hort soll einen Ort darstellen, wo Kinder sich wohlfühlen und sich entwickeln können, wo sie Gemeinschaft erfahren und Neues lernen. Er soll familien- und schulunterstützend sein, jedoch wirklich seinen eigenen Platz in diesem System haben.

 

„Ganzheitliche Erziehung“ gehört zu den Grundsätzen des Don Bosco Horts. Was kann man darunter verstehen?

Ganzheitliche Erziehung bedeutet, dass alle Kinder die Möglichkeit haben, auf unterschiedliche Weisen verschiedene Arten von Kompetenzen zu erwerben. Kinder lernen durch all ihre Sinne, mit Herz und mit Verstand.

Die Vielfalt unserer Aktivitäten reicht vom völlig freien Spiel über freie kreative Entfaltung durch in der Einrichtung bereitgestellte Materialien bis hin zu angeleiteten Gruppenübungen oder individuell abgestimmten Aktivitäten. Den Betreuenden kommt dabei eine sehr wichtige Vorbildfunktion zu.

 

Don Bosco Hort Mils

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