Was hält die Psyche gesund?

Spannender Don Bosco talk zum Kinderrecht auf psychische Gesundheit
Foto: Pixabay.com

Am 14. Juni 2022 fand der vierte Don Bosco Online-talk zum Themenschwerpunkt „Kinderrechte“ der Don Bosco Schwestern und des JPI Benediktbeuern statt. Die Vortragenden Marie-Luise Morgenstern, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, und Br. Mike Goldsmits, Sozialpädagoge der Villa Lampe, sprachen und diskutierten mit rund 30 Teilnehmende über ein brandaktuelles Thema: Wie lässt sich psychische Gesundheit bei Kindern und Jugendlichen entwickeln und erhalten?

Zusammenspiel von Körper, Psyche und Umfeld
Zur Klärung der Frage, was psychische Gesundheit eigentlich ist, wurden gleich zu Beginn des Online-talks einige Fachbegriffe und Modelle aus Psychotherapie und Psychologie erläutert. Ob wir uns gesund oder krank fühlen, hängt von mehreren Faktoren ab.

Erst durch das gute Zusammenspiel von Körper, Psyche und sozialem Umfeld können wir psychische Gesundheit erst entwickeln. Wer das schon in jungen Jahren erfährt, bildet eine gute Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit), um gut durch Krisen zu kommen.

Vor und nach Corona
Das Risiko für eine psychische Erkrankung stieg in den letzten zwei Jahren von 18 auf 31 Prozent, wie die Referenten anhand der COPSY-Studie der Uniklinik Hamburg-Eppendorf aufzeigten. 71 Prozent der 1.100 befragten Kinder und Jugendlichen fühlten sich durch die Corona-Krise stark belastet. Rund ein Drittel empfand eine geringere Lebensqualität als vorher, wo nur ein Fünftel der jungen Menschen so empfand.

Deutlich mehr betroffen sind Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien. „Das sind jene, die bereits vor der Pandemie besonders gefährdet waren, psychisch zu erkranken“, so Goldsmits. Niedriger sozioökonomischer Status, niedriges Bildungsniveau, Sprachbarrieren, hohes Stresserleben aufgrund von Arbeitslosigkeit oder beengtem Wohnen sind schlechte Rahmenbedingungen, um psychisch gesund zu bleiben.

„Aber auch frühe Verlusterlebnisse, Erkrankung eines Elternteils, eine mangelnde Eltern-Kind-Beziehung oder eine konflikthafte, eventuell sogar gewalttätige Beziehung zwischen den Eltern führt zu psychischen Erkrankungen.“

Kein Geld für Versorgung und Prävention?
Schaut man sich die Zahlen zum Gesundheitssystem im Jahr 2020/21 an, lässt das wenig auf eine Verbesserung für Kinder und Jugendliche hoffen. „In Deutschland wurden stetig stationäre Betten abgebaut. Viele Erkrankte werden nur mehr ambulant behandelt. Das trägt nicht zu psychischen Stabilisation der Betroffenen bei“, erläutert Morgenstern.

Und während man in Österreich schon kaum einen Therapieplatz für sein Kind findet, ist im Vergleich dazu in Deutschland das Netz an Therapieplätzen noch einmal dünner.

Das sind aber bei weitem nicht die einzigen Probleme bei der Versorgung von psychisch Erkrankten: mangelnde Zusammenarbeit an den Schnittstellen wie z.B. Schule und Jugendhilfe, fehlende kinderspezifische Forschung bei Medikamenten, „Entweder-oder-Therapieplätze“ oder schlecht begleitete Entwicklungsübergänge wie z.B. Schulwechsel sind weitere Baustellen.

Erstaunlich sei aber, so die Referentin, dass für die Behandlung rund vier Milliarden Euro ausgegeben werden – für die Prävention von Erkrankungen aber nur wenige Millionen. Ganz im Gegensatz zu dem, was die WHO empfiehlt.

Was können wir besser machen?
Als Ordensgemeinschaften, die sich ein besonderes Vorsorgeprinzip für Kinder und Jugendliche an die Fahnen heften, war in der anschließenden Diskussion durchaus ein kritischer Blick gefragt.

Zwar passiere einiges in den Einrichtungen der Don Bosco Schwestern und Salesianern, um die Resilienz der jungen Menschen zu fördern. Dennoch gäbe es sinnvolle Verbesserungen wie Fortbildung im Bereich psychischer Erkrankungen, oder ein breiteres Netzwerk zu Behörden und Institutionen, auf das im Notfall schnell zugegriffen werden kann.

Goldsmits empfiehlt noch früher anzusetzen und mit Kindern und Jugendlichen im Vorfeld darüber zu sprechen, was psychische Erkrankungen sind und wie sie vermieden werden können.

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