Schwierige Lage in der Ukraine

Interview mit Missionsschwester Brigitte Zurawska aus Lviv/Lemberg.

Seit 2014 herrscht im Osten der Ukraine Krieg. Prorussische Kräfte kämpfen für die Abspaltung der Gebiete Donezk und Luhansk. Seit 2014 kamen mehr als 10.000 Menschen in diesem Krieg ums Leben. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes waren im Sommer 2018 rund 3,4 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen.
Missionsschwester Brigitte Zurawska war vor kurzem in München zu Gast. Die gebürtige Polin berichtete vom Alltag im krisengeschüttelten Land.

Schwester Brigitte, in der Ukraine herrscht seit fünf Jahren Krieg. Wie wirkt sich der Konflikt im Alltagsleben aus und welche Zukunftsperspektiven haben die jungen Menschen?
Die wirtschaftliche Lage in der Ukraine ist sehr schlecht. Wegen des Krieges ist alles sehr teuer geworden: Bekleidung, Lebensmittel oder Treibstoff. Die Preise steigen weiter. Die gesundheitliche Versorgung der Menschen ist schwierig und schlecht. Mittlerweile ist die Abwanderung aus der Ukraine sehr stark. Zirka drei Millionen Ukrainer arbeiten bereits in Polen. Die Korruption blüht, jeder hält die Hand auf. Für alles muss extra bezahlt werden. 
Arbeitsplätze gibt es kaum – gerade für junge Menschen ist das sehr schlimm. Wer einen Arbeitsplatz will, muss oft erst dafür bezahlen. Aber man erhält keine Garantie, dass man nicht nach einem halben Jahr schon wieder entlassen wird.

Was können Sie vor Ort tun?
In unserer Niederlassung in Lviv beherbergen wir elf Schülerinnen und Studentinnen im Alter von 15 bis 24 Jahren. Sie kommen aus dem Umland von Lviv und wohnen bei uns sehr günstig zur Miete, denn die Mieten in der Stadt sind erschreckend hoch. Sie betragen bereits ein durchschnittliches Monatsgehalt und sind für die Bevölkerung kaum leistbar. Die Studentinnen kommen aus armen Verhältnissen, können sich also keine Bleibe leisten. Wir finanzieren die laufenden Kosten durch Patenschaften für die jungen Frauen. 

Darüber hinaus sammeln wir Geld für Familien, die sich in finanziellen Notlagen befinden.

Auch in Odessa beherbergen wir 20 junge Frauen. Dort kämpfen die Schwestern mit denselben Problemen.

Welche Aufgaben übernehmen die Don Bosco Schwestern vor Ort in der Gemeinde beziehungsweise in der Kinder- und Jugendarbeit?
Wir geben Religionsunterricht in der Pfarrei und leiten verschiedene Gruppen für Kinder aus der Umgebung, zum Beispiel eine Theatergruppe. Außerdem organisieren wir zweimal im Jahr Ferien für Kinder in den Karpaten. Wir machen Spiele oder laden sie zur Katechese ein, und wir nehmen Kleidung und Schulmaterial für die Kinder mit – finanziert aus Spenden.

Leider ist es in der Ukraine ein bürokratischer Hürdenlauf, als ausländische Ordensgemeinschaft eine Einrichtung wie einen Kindergärten oder eine Schule zu gründen. Zudem kostet es sehr viel Geld.

Seit 2009 sind Sie in Lviv, waren aber davor bereits Missionsschwester in Deutschland. Wie kam es dazu und warum der Wechsel?
Mein Wunsch als Ordensschwester war es, für die Ärmsten da zu sein. Deshalb ging ich in die Mission. Meine Vorstellungen waren damals, nach Afrika zu gehen. 1988 wurde ich allerdings von der damaligen Provinzoberin gefragt, ob ich nach Deutschland möchte. Dazu muss ich sagen, dass meine Eltern in Deutschland lebten. So verbrachte ich 19 Jahre als Missionsschwester dort, und zwar in Bayern. Als meine Eltern starben, dachte ich, es sei nochmal Zeit für einen Ortswechsel.

Niederlassungen in Lviv und Odessa
Nach der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine von der Sowjetunion im Jahr 1991 luden die Salesianer Don Boscos die Don Bosco Schwestern ein, in Lviv/Lemberg eine Mission zu gründen. So entstand 1992 die erste Gemeinschaft in der Ukraine, bestehend aus einer polnischen, einer slowakischen und einer argentinischen Schwester. Die zweite Gemeinschaft wurde 1993 in Odessa gegründet. Beide Niederlassung gehören zur Provinz Osteuropa-Georgien, zu der die Länder Weißrussland, Russland, Georgien und die Ukraine zählen.
Die Gemeinschaft in Lviv ist die einzige im weltweiten Orden der Don Bosco Schwestern, die nicht der römisch-katholischen, sondern der griechisch-katholischen Liturgie folgt.

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