Mit Luther zum Papst

Sr. Bernadeth Geiger begleitete die ökumenische Pilgerfahrt nach Rom

Was für eine Woche!
Na ja eigentlich zehn Tage und eine ziemlich lange Vorbereitungszeit ... „Mit Luther zum Papst“ 2021 ist geschafft und die 500 Teilnehmenden sind alle glücklich und gesund wieder zu Hause angekommen. Die Teilnehmenden waren nicht nur katholische und evangelische Christen – nein, es waren auch Pilgernde ohne kirchlicher Bindung mit dabei – unter uns gesagt, das ist sicher eine schöne Erweiterung des Begriffs „Ökumene“.

Für mich war es das erste wirkliche Großprojekt, bei dem ich nicht nur mitfahren, sondern dass ich auch im Vorfeld mit der Arbeitsstelle für Jugendpastoral (AJP) mitorganisieren durfte. Unzählige Online-Meetings gingen der Reise voraus. Wie viele E-Mails ich in dieser Zeit auf Italienisch schrieb und ins Deutsche übersetzte – ich weiß es schon gar nicht mehr! Auch das eine oder andere Telefonat mit der Vorwahl +39 war nötig.

Es geht los...
Endlich war es dann soweit: Am Freitag, dem 22. Oktober, startete ich – und von uns Don Bosco Schwestern auch Sr. Lydia Kaps – mit einem der Vorfahrtsbusse, gemeinsam mit unseren Bläsern und dem Jugendchor um 19 Uhr – sogar der MDR hat live von der Abreise berichtet!

Nach fast 20 Stunden Busfahrt – die üblichen Pausenzeiten für die Busfahrer miteinberechnet, wurden wir bei unserer Ankunft von denen, die vom Orga-Team bereits vor Ort, waren herzlich begrüßt. Hier an dieser Stelle sei noch erwähnt, dass wir für die zehn Tage auf einem Campingplatz etwas außerhalb von Rom in schönen, gemütlichen Mobilheimen untergebracht waren.

Ankunft der Pilgerinnen und Pilger und Überreichung des Ökumene Preises
Sonntag, 24. Oktober, 19 Uhr – die Eröffnungsveranstaltung konnte starten. Alle 500 Pilgernden sind gut angekommen. Zehn Reisebusse brachten die Teilnehmenden nach Rom. Das Projekt „Mit Luther zum Papst“ ist mit dem Ökumenepreis der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) in Deutschland ausgezeichnet worden. Der Vorsitzende der ACK, Erzpriester Radu Constantin Miron überreichte den Organisatoren den mit 2.500 Euro dotierten Preis.

Audienz bei Papst Franziskus
Das ist schon was Besonderes – eine Audienz beim Papst. So startete unsere gemeinsame Woche. Wer nun denkt, wir konnten als Pilgergruppe alle vatikanischen Sicherheitskontrolle, die, wohlgemerkt, aufgrund von Covid 19 verstärkt wurden, so einfach überspringen, der liegt falsch. Gepäck, Green Pass, Temperaturkontrolle... das alles mussten wir durchlaufen bis zur Audienzhalle des Papstes.

Unsere Dekoration – 18 Würfel mit einem Durchmesser von einem halben Meter – musste natürlich auch mit. Diese standen symbolisch für unsere Erde – unser einziges gemeinsames Haus – und den Schwerpunkten der „Charta Oecumenica“. Die vatikanischen Sicherheitsposten staunten nicht schlecht. Für das Fließband waren die Würfel zu groß, also wurden sie alle aufgeschnitten!

Von der ersten Reihe
Während der Audienz durfte ich in der „Prima Fila“ – der ersten Reihe – sitzen, was den Vorteil hatte, dass ich den besten Ausblick nach vorne genießen konnte. Die geistlichen Leiter der Kirchen in Mitteldeutschland, Bischof Dr. Gerhard Feige, Kirchenpräsident Joachim Liebig und der Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), Erzpriester Radu Constantin Miron, waren anwesend. In ihrem Namen begrüßte Landesbischof Friedrich Kramer Papst Franziskus.

Wer nun glaubt, nur die „Prima Fila“ kommt zu einem Handschlag mit dem Papst, liegt zumindest bei Papst Franziskus falsch. Bei ihm werden auch die anderen Stuhlreihen zur „prima fila“ und so freuten sich einige sehr unerwartet über einen Handschlag mit dem Papst.

Ein Wort an die Jugend
Besonders den jungen Pilgerinnen und Pilgern gab Papst Franziskus Folgendes mit auf den Weg: „Hört auf die Melodie Gottes in eurem Leben; auf das, was der Herr in euer Leben hineinkomponiert hat. Öffnet nicht nur die Ohren, sondern öffnet eure Herzen. Wer mit offenem Herzen singt, rührt schon, vielleicht ohne es zu ahnen, an das Geheimnis Gottes. Dieses Geheimnis ist die Liebe – die Liebe, die in Jesus Christus ihren wunderbaren, vollen und einzigartigen Klang entfaltet.“

Flashmob auf der Piazza Martin Lutero
Nach der Audienz machten wir uns auf zum Oppio-Hügel neben dem Kolosseum, der sich seit 2015 Piazza Martin Lutero nennt. Dort hielten wir eine „Flashmob-Andacht“. Wir zogen natürlich sofort die Aufmerksamkeit der italienischen Polizei auf uns. Aber Dank der Übersetzungskünste Sr. Lydias, die wegen ihres Ordenskleides von den Carabinieri gleich als Madre angesprochen wurde, konnten wir unsere Andacht beruhigt zu Ende bringen.

Weitere Programmpunkt der Woche
Die nächsten Tage waren gefüllt mit Programmpunkten, die sich die Teilnehmenden im Vorfeld buchen konnten. Zu diesen Programmpunkten gehörten: eine Fahrradtour durch Rom, Besuche in der Engelsburg, dem Kolosseum, dem antiken Rom oder den Caracalla Thermen. Besonders erwähnenswert – und das nicht nur wegen der Besonderheit des Ortes, sondern wegen der logistischen und organisatorischen Meisterleistung der Carabinieri und unseres Orga-Teams – sind die Programmpunkte, die wir als Großgruppe bestritten. Den Anfang machten die vatikanischen Museen. Gebucht waren 12 deutschsprachige Guides, die uns durchführten. Die Carabinieri halfen beim Einlass der Gruppe und es wurde in strenger italienischer Manier in Kleingruppen zu je 41 Personen abgezählt.

Besuch in Castelgandolfo...
Zum Glück ist aufgrund der Pandemie in Castelgandolfo touristisch gesehen gerade fast nichts los, denn den 28. Oktober 2021 wird das vatikanische Sicherheitspersonal so schnell nicht vergessen. Eigentlich war es ein ganz normaler Besuch in der ehemaligen Sommerresidenz der Päpste - vor Papst Franziskus –, wenn da die Sicherheitskontrollen für 500 Pilgernde nicht gewesen wäre. Das Prozedere war uns ja vom Besuch im Vatikan schon bekannt und trotzdem immer wieder zum Staunen aller!

Nach der Besichtigung der päpstlichen Residenz wurden wir von dem Sicherheitspersonal in die vatikanischen Gärten begleitet. Hier betraten wir vatikanisches Territorium und jeder unserer Schritte wurde – ohne zu übertreiben –  strengstens beobachtet. Wir genossen aber auch das Privileg, den Teil der Gärten zu sehen, den kein Tourist je buchen kann. Die anfängliche Anspannung des vatikanischen Personals – und wohlgemerkt auch meinerseits, da ich die Hauptverantwortung u.a. für diesen Programmpunkt hatte – fiel im Laufe des Tages immer mehr ab. Letztendlich wurden wir sogar für die Disziplin unserer Gruppe gelobt!

Den Nachmittag verbrachten wir also in den Gärten, bis um 17 Uhr der ökumenische Abschlussgottesdienst mit Kardinal Koch begann. Als ich mich am Ende das Tages bei dem Verantwortlichen bedankte und verabschiedete, haben wir uns schon für ein nächstes Mal in Castelgandolfo verabredet.

Damit ging eine wunderbare Pilgerreise zu Ende. Und ehrlich gesagt, auch wenn die Woche streckenweise anstrengend war, da ich neben Sr. Lydia als einzige Übersetzerin für 500 Menschen zuständig war, werde ich diese Tage nicht so schnell vergessen. Gemeinsames Unterwegssein, Singen und Beten verbindet – auch eine Pilgergruppe von 500 Menschen.

Aufzeichnung der Audienz:
https://youtu.be/hiSn_AnMADY

Auf Social Media:
https://www.facebook.com/MitLutherZumPapst
https://www.instagram.com/mitlutherzumpapst/

Und der offizielle Bericht vom Vatikan:
Nur Luther fehlte

(Bericht von Sr. Bernadeth Geiger, Don Bosco Kinder- und Jugendzentrum in Magdeburg)

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