Abschied von Schwester Bernadine Berger †

Am 6. März ist unsere Mitschwester von uns gegangen.

„Die Zeit, Gott zu suchen, ist das Leben.
Die Zeit, Gott zu finden, ist der Tod.
Die Zeit, Gott zu schauen, ist die Ewigkeit“
(Franz von Sales)

Am 06. März 2018 verstarb im 91. Lebensjahr in Rottenbuch unsere liebe Mitschwester

Sr. Bernadine Berger FMA

Lebensbild


Bernardine wurde am 21. Dezember 1927 in Kirchhellen (in der Nähe von Bottrop) geboren. Ihre Eltern besaßen eine Landwirtschaft und sie wuchs mit insgesamt sechs Geschwistern auf (drei Mädchen und drei Jungen). Nach ihrer Schulentlassung machte sie das Pflichtjahr in einem bäuerlichen Betrieb, wo sie sich vor allem um drei kleine Kinder im Alter von ein bis fünf Jahren kümmerte.

Nach dem Pflichtjahr besuchte sie 1943/44 die Haushaltungsschule in Gladbeck, mit dem Plan, anschließend die Kinderpflegerinnenschule zu absolvieren. Durch die Kriegswirren musste sie jedoch 1944 auf den elterlichen Hof zurückkehren, wo ihre Hilfe nötig gebraucht wurde. 

Von März 1948 bis Juni 1949 war sie im St. Josefs-Hospital in Oberhausen Sterkrade als Lehrköchin tätig. In der Freizeit durfte sie auch in der Krankenpflege dort helfen. Sie schreibt selbst: „An eine weitere Berufsausbildung konnte ich vorerst nicht denken, da meine älteren Geschwister in der Berufsausbildung standen und ich somit im elterlichen Betrieb helfen musste.“ Zudem erkrankte ihre Mutter schwer, da war es für sie erst recht wichtig, wieder nach Hause zurückzukehren.

Große Freude bereitete ihr zur gleichen Zeit die ehrenamtliche Arbeit in der Pfarrjugend. Ihr Heimatpfarrer schreibt: „In der Pfarrgemeinde steht sie über die stark in Anspruch nehmende Arbeit in der elterlichen Landwirtschaft hinaus willig und tatkräftig jedem Auftrag bereit, ob es sich um Aufgaben in der Führung der Frauenjugend handelt oder um rein organisatorische Dinge. Sie zeigt stets eine große Aufgeschlossenheit für geistige Anregungen.“ 

Sie selbst berichtet über ihren Berufungsweg: „Die Freude an der Jugendarbeit wurde auch in unserer Familie gelebt und gepflegt. Meine Eltern lebten uns ein gutes, christliches Leben vor. Don Bosco kannte ich lange nicht. Nach dem Krieg arbeitete ich in einem Krankenhaus. In einem vertraulichen Gespräch mit meinem Heimatpfarrer sprach ich vom Eintritt bei den Krankenschwestern. Darauf gab er mir gleich die Antwort: ‚Das ist nicht dein Weg!‘ Nach einer Zeit fand ich ein Büchlein über Don Bosco im Bücherstand unserer Pfarrkirche. Das war für mich der Anruf Gottes. Natürlich kamen anfangs noch manche Schwierigkeiten – vor allem durch die schwere Krankheit meiner Mutter - aber die Hand Gottes und die Nähe der Gottesmutter zeigten mir den Weg.“ 

Eine kleine humoristische Fußnote: Ein Salesianer, der während des Krieges als Soldat in Kirchhellen war, sagt in einem Empfehlungsschreiben: „Ich glaube, ohne Bedenken Frl. Bernardine empfehlen zu können. Sie ist ein Westfale und wird sich erst durchringen müssen, wird aber, wenn sie ihr Ziel erreicht, ganze Arbeit leisten.“

So tritt sie bei den Don Bosco Schwestern ein. Ihr Vater selbst begleitet sie am 8. September 1954 nach Oberhaunstadt. Die Postulatszeit verbringt sie in München-Laim, das zweijährige Noviziat in Rottenbuch, wo sie am 5. August 1957 die Erstprofess ablegt. Nach einem ersten Jahr in München, wo sie von Sr. Margareta Behnke in die Arbeit mit den Ehemaligen und den Salesianischen Mitarbeitern eingeführt wird, folgen zwei Jahre an der ordenseigenen pädagogischen Hochschule in Turin. Anschließend gibt sie zwei Jahre lang im Seminar für Kindergärtnerinnen in Rottenbuch Religionsunterricht. 1962 wird sie in den Norden versetzt, wo sie mehr oder weniger für den Rest ihres Lebens bleiben wird.

Eine wichtige und sehr intensive Phase ihres Ordenslebens verbringt sie in der Pfarrei Ss. Ewaldi in Bocholt. Der dortige Pfarrer hatte sie in Kirchhellen kennengelernt und bei seiner Versetzung nach Bocholt angefragt, ob sie nicht zu ihm in die Pfarrei kommen könnte. So geht sie 1968 als Pastoralreferentin nach Bocholt, gehört aber in der Zeit offiziell zur Gemeinschaft in Essen.

Für sie beginnen nun zehn Jahre, die durch eine große apostolische Tätigkeit geprägt sind. Sie gibt Religionsunterricht in der Grund- und Volksschule, ist verantwortlich für die Beicht- und Firmkatechese und müht sich ganz besonders um den Aufbau einer soliden weiblichen Pfarrjugend. 1973 schreibt sie: „Vor fünf Jahren begannen der Pastor und ich mit unserer Jugendarbeit. Mit wenigen Mädchen versuchten wir kleine Gemeinschaften zu bilden. Durch wöchentliche religiöse Gespräche wuchs das Interesse, so dass wir heute auf etwa 18 Gruppen mit ca. 220 Mädchen zwischen zehn und 20 Jahren zurückschauen dürfen … Der Erfolg ist allein der Gottesmutter zuzuschreiben, weil sie uns sichtbar führt. In stillen Augenblicken suche ich gerne das Marienkapellchen auf, weil es mir eine Heimat bietet … Meine größte Freude an dieser Arbeit ist, nun erleben zu dürfen, dass die Mädchen bewusst und aufrichtig ihren Weg gehen. Wöchentlich darf ich erleben, wie jemand zu einem privaten Gespräch kommt und nach dem eigenen Berufungsweg fragt ….Für mich ist dieses apostolische Arbeiten eine große Gnade, aber ich sehe auch darin meine Ganzhingabe.“ 

„Bernardinchen“ – wie sie von vielen Mädchen liebevoll genannt wird – hat eine immer offene Tür für die jungen Leute und sie überlässt ihnen vertrauensvoll ihre Wohnung, auch wenn sie selber nicht da sein kann. Als sie nach zehn Jahren von Bocholt versetzt wird, um für ein Jahr nach München zu gehen, hat sie reichlich aussäen dürfen. Und so verwundert es nicht, dass einige junge Frauen aus der Gemeinde den Weg zu den Don Bosco Schwestern gefunden haben. Ich selber gehöre auch zu ihnen und möchte sagen: „Ich verdanke ihr viel“.

Das Jahr 1980 bringt ein weiteres einschneidendes Ereignis. Sie muss sich einer großen Operation an beiden Hüftgelenken unterziehen. Ein halbes Jahr bleibt sie im Krankenhaus in Sendenhorst, anschließend kehrt sie wieder nach Essen zurück. Ihr ganzes weiteres Leben lang bleibt sie körperlich geschwächt. Die Krücken werden zu ihren täglichen Begleitern und oft erzählt sie, dass ihr in Zukunft der Rollstuhl winkt. Allerdings bleibt es ein kleines Wunder, dass sie trotz Krücken bis ins hohe Alter eine fast unheimliche Beweglichkeit und Schnelligkeit an den Tag legt. Auch als in Essen ein Aufzug eingebaut wird, saust sie lieber die Treppe hinunter, damit sie „das Gehen nicht verlernt.“

Wenn auch mit körperlichen Behinderungen, so beginnt sie ebenfalls in Essen mit dem Aufbau von Ehemaligen- und Frauengruppen. Sie interessiert sich für das Leben einer jeden Einzelnen, wird zur gefragten Begleiterin und Beraterin und niemals beendet sie eine Gruppenstunde ohne einen religiösen Impuls. Das ist ihr ganz wichtig: die Sorgen und Freuden mit den Frauen zu teilen, aber auch geistliche Kost anzubieten. Und damit sie geben kann, vertieft sie sich auch selber mit Freude in vielfältige geistliche Lektüre.

Bis ins hohe Alter hinein bleiben ihr die Frauengruppen treu, auch als sie schon von einer langsam dahinschreitenden Demenz gezeichnet wird. Sie wissen, was sie ihr verdanken. Mit Charme und einem Augenzwinkern umschifft sie Situationen, in denen ihr Gedächtnis nachlässt. „Kennen wir uns nicht?“ begrüßt sie strahlend auch diejenigen, deren Namen sie vergessen hat. Sie spürt aber auch die ganze Last dieser Krankheit und sucht immer häufiger die Stille der Kapelle. „Wann beten wir?“ ist eine der Fragen, die sie immer wieder stellt. 

Bald geht mit der Demenz auch eine zunehmende körperliche Schwächung einher. Aber sie bleibt guten Mutes und verliert die Freude nicht. „Lustig ist das Zigeunerleben“ ist eines der Lieder, das sie bis zum Schluss oft und gerne gesungen hat.

In den letzten Lebenswochen ist sie ganz auf die Hilfe der Mitschwestern angewiesen, die sich mit viel Liebe um sie kümmern. Als der Gemeinschaft zum Schluss die Pflege nicht mehr zugemutet werden kann, entscheidet die Provinzleitung, sie nach Rottenbuch bringen zu lassen. Obwohl sie den Transport gut übersteht, ist sie doch insgesamt sehr geschwächt und nach nur drei Wochen tritt sie dort den Weg in die Ewige Heimat an.

Die Schutzengel waren ihr ganzes Leben lang wichtige Begleiter für sie und in den letzten Lebenswochen hatte sie oft ein Büchlein über Engel in der Hand. Immer wieder schaute sie hinein oder las den Mitschwestern gute „Engelwünsche“ daraus vor. Denn auch ihnen sollte der gute Gedanke nicht fehlen. 

So glauben wir nun, dass sie mit dem Schutzengel an ihrer Seite den Heimweg zu Gott antreten durfte. Möge Er sie mit all seiner Liebe willkommen heißen. Sr. Bernardine, danke für dein Wirken und dein Lebenszeugnis.

(Sr. Petra Egeling, Provinzvikarin)

 

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