Abschied von Schwester Adele Sinn †

Heute am Vormittag ist Sr. Adele Sinn ihren schweren Verletzungen in Folge eines tragischen Unfalls erlegen.

 

„Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen!“ 

  

 

Gott, der barmherzige Vater, holte

Sr. Adele Sinn FMA

am Freitag, den 12. April 2019

im Salzkammergut-Klinikum Vöcklabruck

in Seine Ewige Liebe.

 

 

Adele wurde am 10. August 1935 als drittes Kind von Karl und Franziska Sinn, geb. Feigl, in der Gemeinde Dorf Haag im Bezirk Amstetten. Während der Vater in den Kriegsjahren als Eisenbahnbediensteter in Frankreich eingesetzt war und Bruder Karl (geb. 1923) Militärdienst leisten musste, half sie zusammen mit ihren Schwestern (Maria geb. 1925, Franziska geb. 1940) in der kleinen elterlichen Nebenerwerbslandwirtschaft mit. Trotz des kriegsbedingten Bildungsdefizits in der Volksschulzeit absolvierte Adele Ende Juni 1954 mit Auszeichnung die Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Horterzieherinnen der Franziskanerinnen (Schulschwestern) von Amstetten. Vierzehn Tage darauf, am 14. Juli, trat sie bei den Don Bosco Schwestern in Stams ein. Adele, die von klein auf in einer christlichen Familie aufgewachsen war und gern die Glaubensstunden von P. Anton Prihoda SDB an Sonntagnachmittgen in den umliegenden Landpfarren besucht hatte, hatte sich bereits mit 14 Jahren zum Ordensleben hingezogen gefühlt. Sie hatte sich P. Anton Prihoda anvertraut, der sie mit salesianischer Lektüre versorgte. Obwohl es in Amstetten die Franziskanerinnen und die Kreuzschwestern gab, riet er ihr: „So wie ich dich kenne, würdest du gut zu den ‚Mariahilfschwestern‘ passen.“ In seinem Empfehlungsschreiben bescheinigte er, sie hätte „ein sonniges Gemüt“ und bringe „für den hl. Don Bosco manche Talente mit“. 

 

Diese Talente setzte Adele bei den Don Bosco Schwestern tatsächlich auf vielfältige Weise ein. Während sie die Ordensausbildung durchlief – Jänner 1957 Beginn des Postulats in Stams, August 1957 Beginn des Noviziats in Linz, Erste Profess am 5. August 1959 in Linz, Ewige Profess am 5. August 1965 in Baumkirchen – sowie in den Jahren danach erwarb sie sich gleich mehrere Qualifikationen: 1957 legte sie in Innsbruck mit Auszeichnung die Reifeprüfung für das Lehramt an Volksschulen ab, 1961 wurde ihr in Bregenz das ausgezeichnete Lehrbefähigungszeugnis für Volksschulen sowie die Befähigung für den Religionsunterricht an Volksschulen ausgestellt. 1968 begann sie in Turin das Studium an der Pontificia Facoltà di Scienze dell’educazione, das sie 1972 mit dem religionspädagogischen Diplom abschloss. Ihre Abschlussarbeit mit dem Titel “Das nachkonziliare Lehramt der österreichischen Bischöfe von 1965 bis 1970” würdigte Kardinal Franz König in seinem persönlichen Schreiben vom 3. Dezember 1973 an Sr. Adele mit folgenden Worten: “Ich freue mich, dass Sie das Material der österreichischen Bischöfe in der nachkonziliaren Zeit so sorgfältig gesichtet und ausgearbeitet haben. Sie haben damit nicht nur eine ausgezeichnete Diplomarbeit geschrieben, sondern der österreichischen Kirche einen großen Dienst erwiesen. Ich werde sehen, wie ich Ihre Ergebnisse weiter verwenden kann.”

 

Parallel zu ihren Ausbildungen war Sr. Adele beruflich vor allem als Lehrerin, Assistentin und Kindergärtnerin in Viktorsberg (1959-1964), Stams (1964-1965) und Linz (1965-1967) tätig. Von 1972 bis 1975 unterrichtete sie wieder in Linz, von 1975 bis 1989 in Vöcklabruck. 1977 erwarb sie in Linz mit Auszeichnung die Befähigung zum Lehramt für Italienisch, Deutsch, Musikerziehung, 1978 wurde ihr das Lehrbefähigungszeugnis zur Erteilung des katholischen Religionsunterrichtes an Hauptschulen ausgestellt. Zusätzlich zu ihren Hauptfächern Religion, Deutsch und Musikerziehung (einschließlich Orff-Schulmusik) studierte sie mit den Schülerinnen viel beachtete Theateraufführungen ein.  Eine ehemalige Schülerin, die von 1980 bis 1984 die Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Vöcklabruck besucht und zum damaligen Zeitpunkt an der Uni Wien einen Lehrauftrag für Musik hatte, hat Sr. Adele 2004 ein sehr schönes Zeugnis ausgestellt: “Es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen mitzuteilen, dass Sie mich in meiner Schulzeit am wesentlichsten geprägt haben – Ihre Liebe zur Kultur – zur Literatur – zur Musik. Ich möchte Ihnen dafür danken – es sind mir meine liebsten Schulerinnerungen – Ihre Literaturvorschläge und Besprechungen, die einstudierten Tänze, Ihre vorgetragenen H. C. Artmann Gedichte, die Theater- und Konzertbesuche … Für mein kulturelles Leben haben Sie wesentliche Wurzeln gelegt …” Von 1990 bis 1995 war Sr. Adele Lehrerin für Musikerziehung, Chorgesang, Darstellendes Spiel und Theateraufführungen im Gymnasium der Salesianer Don Boscos in Unterwaltersdorf. Sie hat sich auch dort mit vollem Einsatz eingebracht und immer sehr gern an die Zeit in UW zurückgedacht.

 

Als Sr. Adele 1995 in Pension ging, wurde sie erst recht aktiv. Nun konnte sie sich den lang gehegten Traum eines Universtitätsstudiums erfüllen. 1996 inskribierte sie an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck das Studium der Romanistik (Studienzweige Spanisch und Italienisch). Im Herbst desselben Jahres leistete sie Übersetzungsarbeiten beim Generalkapitel in Rom, im Wintersemester 2000/01 studierte sie über ein Erasmus-Stipendium an der Universidad Complutense in Madrid. Mit Auszeichnung beendete sie 2001 das Diplomstudium. Anschließend an die Sponsion zur Magistra der Philosophie (Februar 2002) begann sie das Doktoratsstudium, das sie von Februar bis August 2004 zu einem Forschungsaufenthalt nach Venezuela führte. Zur Erarbeitung ihrer Dissertation zum Thema “Die Verschriftung des Yanomami. Ein bilinguales und interkulturelles Schulmodell” hielt sie sich drei Monate direkt bei Sr. Maria Wachtler in der Yanomami-Mission am Oberen Orinoko auf. Nachdem sie das Rigorosum mit Auszeichnung bestanden hatte, wurde sie im November 2005 zur Doktorin der Philosophie promoviert. Das Jahr 2006 widmete sie der Publikation ihrer Dissertation, von Jänner bis August 2007 verbrachte sie eine Auszeit bei den Don Bosco Schwestern in London.  

 

Ab 2007 hat sich Sr. Adele von Salzburg aus vielfältig engagiert – mit Deutschunterricht für Flüchtlingskinder, Mitwirkung bei verschiedenen Chören, Leitung einer Frauensinggruppe, Faschingsgestaltung in der Pfarre und Abschluss des Großen Theologischen Fernkurses 2014 mit ausgezeichnetem Erfolg. 

 

Bewundert habe ich die Flexibilität von Sr. Adele: Im Mai 2017 ist sie ganz selbstverständlich nach Klagenfurt gegangen, um Platz zu machen für die Wohngemeinschaft mit Studentinnen in Salzburg. Im September 2018 ist sie ebenso großzügig nach Vöcklabruck übersiedelt, wo sie sich in der Gemeinschaft MA gerade so gut eingelebt hat. Wir Schwestern werden Sr. Adele besonders wegen ihrer wertvollen Übersetzungsarbeiten in dankbarer Erinnerung behalten. Sehr gut und schnell hat sie immer wieder Rundbriefe von Madre Yvonne Reungoat übersetzt, zuletzt jenen zur Einberufung des Generalkapitels 2020. Ihr selbst hat vor allem die Übersetzung der fünf Bände der Cronistoria sowie der Biografien von Sr. Maria Troncatti, Sr. Maria Romero und Sr. Laura Meozzi viel Freude gemacht. Noch am Samstag, den 6. April hat sie mir sehr freudig mitgeteilt, dass sie das Buch über unsere japanischen Mitschwestern bereits zur Hälfte geschafft hat und dass sie sich danach der Übersetzung des Buches über die slowakischen Don Bosco Schwestern von Sr. Kamila Novosedliková widmen wolle. 

 

Sr. Adele hat zeit ihres Lebens ein lebhaftes Temperament gehabt und war, wie man so schön sagt, ein „gerader Michel“. Eine Mitschwester ihrer Gemeinschaft hat mir geschrieben: „Noch vorigen Donnerstag hielt Sr. Adele bei uns die Gute Nacht und sagte, dass ihr die Strophe der Pfingstsequenz so ins Herz gefallen ist: ‚Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund‘. Und der Spruch Karl Rahners: ‚Herr, lass mich in mir bei dir sein, wenn ich ausgehe, um bei den Dingen zu sein.‘ Sie war dabei so innerlich bewegt und einfach lebendig. Diese Lebendigkeit, Geradlinigkeit, Ehrlichkeit und tiefe Suche nach der Wahrheit hab ich wirklich sehr geschätzt – auch ihre Feinfühligkeit und Sensibilität, wenn sie jemanden leiden sah. Ich habe in diesen Monaten, wo sie in unserer Gemeinschaft war, vor allem auch die tiefen guten Gespräche zur Lage der Kirche geschätzt … ihre Auseinandersetzung mit den Themen, ihr Suchen nach der Wahrheit und dem Willen Gottes. Und dass sie sich immer noch Zeit genommen hat, manche Dinge gescheit zu ordnen – sei es in der Kapelle oder bei uns im Putzkammerl …“ 

 

Ein tragischer Verkehrsunfall am Morgen des 8. April 2019 auf dem Zebrastreifen über die Bundesstraße vor unserem Vöcklabrucker Haus hat dem Leben Sr. Adeles vier Tage darauf ein plötzliches Ende gesetzt. Noch am Sonntagabend (7. April) hat sie sich sehr gefreut über die musikalische Aufführung des Kreuzweges von Kronsteiner in der Dörflkirche. Dass sie von einem Augenblick auf den anderen nicht mehr da war, hat uns alle sehr betroffen gemacht. Doch sicher wird Sr. Adele nun schon ganz glücklich sein im Himmel – ich stelle mir vor, dass sie Gott jede Menge erzählt, ihm ihr Loblied singt und den himmlischen Chor dirigiert! 

 

Danke, liebe Sr. Adele, für Deine Lebendigkeit und Deine Ehrlichkeit, die auch in dem zum Ausdruck kommt, was Du am Ende Deiner biografischen Skizze geschrieben hast: „Meinerseits kann ich behaupten, dass ich die Kongregation sehr liebe. Ich weiß, dass ich nicht alle Ziele erreicht habe, doch ich bemühte mich mit allen Kräften, die Kinder- und Jugenderziehung im Geiste Don Boscos zu gestalten und dabei die mir von Gott geschenkten Talente einzusetzen. So lege ich mein ganzes Leben mit Vertrauen in Gottes Hand und überlasse es seinem Urteil. Ich bete für alle. Vor allem aber möchte ich jetzt und in Ewigkeit den Psalmvers wiederholen: „Lobe den Herrn, meine Seele, und seinen heiligen Namen. Was er dir Gutes getan hat, Seele, vergiss es nicht, Amen!“ 

 

Sr. Maria Maul

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