Abschied von Schwester Rosa Fahnl †

Lebensbild unserer am 11. August verstorbenen Mitschwester

„Den Herrn will ich preisen von ganzem Herzen im Kreis der Frommen, inmitten der Gemeinde.“ (Ps 111,1)

Gott, der barmherzige Vater, holte

Sr. Rosa Fahnl FMA

 am Freitag, den 11. August 2017 kurz vor 22 Uhr
im St. Barbara Hospiz des Ordensklinikums der Elisabethinen in Linz zu sich.

Lebensbild

Rosa wurde am 20.  März 1939 in Auersbach in der Oststeiermark, Diözese Graz-Seckau, geboren. Ihre Eltern Karl und Notburga, geb. Rath, ließen sie am 27. März in Riegersburg taufen. 

Vor einigen Jahren hat sie auf einigen handschriftlich verfassten Seiten, die sie mit dem oben zitierten Psalmvers einleitete, persönliche Erinnerungen festgehalten, aus denen ich einige Abschnitte zitieren möchte.

Noch im Jahr ihrer Geburt musste Rosas Vater einrücken. Er kam zuerst nach Frankreich, dann nach Russland. “Als ich kaum 3 Jahre alt war, kam mein Vater auf Heimaturlaub von Russland. Ich erinnere mich noch gut daran. Meine Mutter sagte: Schau Kind, das ist dein Vater. Dieses Bild blieb immer in mir. Er war so gut zu mir. Mein Bruder war 8 Jahre älter als ich und ein Bruder starb mit 5 Monaten. Den Vater sah ich dann nie mehr. Er ist in Russland an der Halbinsel Krim vermisst. Vorher schrieb er noch einmal, er hätte gerne ein Foto von seinen Kindern. Die Mutter ging mit uns sofort zum Fotografen und schickte dem Vater das Foto. Ob er es noch bekommen hat, wissen wir nicht. Es kam 1943 eine Vermisstenanzeige und dann keine Nachricht mehr. Meine arme Mutter musste mit uns Kindern alleine die Landwirtschaft bearbeiten. Ich musste schon ganz klein mithelfen.” 

Sr. Rosa schilderte weiter die Armut ihrer Kindheit. “Ich musste oft von der Schule wegbleiben, weil ich immer auf dem Feld mitarbeiten musste und durfte nur im Winter in die Schule gehen. Gott sei Dank lernte ich leicht und so kam ich immer mit.” Tatsächlich schloss Rosa Fahnl die achtjährige Volksschule 1953 in allen Fächern, ebenso in Betragen und Fleiß, mit „Sehr gut“ ab. Mit einem solch ausgezeichneten Zeugnis hätte sie unter normalen Verhältnissen weiterführende Schulen besuchen können, doch aufgrund der ärmlichen familiären Verhältnisse musste sie nun erst recht weiter auf dem Feld, im Haus und im Stall arbeiten. Ihre Mutter kränkelte immer wieder, sodass sie mehr und mehr für Haus und Hof zuständig war, während ihr Bruder bereits auswärts arbeiten ging.

Nachdem Rosa mit 14 Jahren 1949 in Graz gefirmt worden war, wurde sie, angeregt durch eine Freundin, mit 16 Jahren Salesianische Mitarbeiterin. „P. Martin Rath SDB war von der Mission in Brasilien zurückgekehrt. Er schickte mir Bücher von Don Bosco, Lebensbeschreibungen, die ich gerne las. Einmal, schon sehr krank, kam er nach Riegersburg zu seinen Verwandten auf Heimaturlaub für einen Monat. Da dachte ich mir, ihn zu besuchen, und so bat ich Rosa Glatz, die auch meine Freundin war, mit mir gehen zu wollen. (…) Er fragte uns sofort, ob wir nicht ins Kloster gehen wollten? Ich sagte ja, da ich schon vorher daran gedacht habe und mit Rosa Glatz darüber gesprochen hatte. (…) Nach längerem Gespräch sagten wir beide zu und holten sofort das ärztliche Zeugnis, da ein Arzt Sonntagsdienst hatte und beim Hochw. Pfarrer das Sittenzeugnis und schrieben um Aufnahme in den Orden und alles wurde sofort eingeschickt. Glücklich und begeistert gingen wir den weiten Weg eineinhalb Stunden schnellen Fußmarsch heim. Keine hatte eine richtige Ahnung vom Ordensleben.“

Die Mutter jedoch konnte Sr. Rosa nicht entbehren, weshalb sie längere Zeit mit dem Eintritt warten musste. In dieser Zeit feierte sie öfter die Sonntagsmesse in Johnsdorf mit, wo P. Martin Rath sie ermutigte, nicht aufzugeben. Schließlich ließen sie sowohl ihre Mutter als auch ihr Bruder gehen. “Mein Bruder sprach sehr schön zu mir. Jetzt beginnt für Dich ein neuer Lebensabschnitt. Beim Gang zum Bahnhof sagte er noch, wenn es mir nicht gefiele, solle ich wiederkommen. Ich sagte, das Kloster ist, glaube ich, kein Hühnerstall, wo man aus- und eingeht, wie man will.” 

So begann Rosa am 31. Jänner 1959 ihr Postulat in Stams. Nachdem sie am 5. August 1959 noch in Linz eingekleidet wurde, übersiedelte sie am 17. August mit zehn weiteren Novizinnen nach Baumkirchen. Sr. Rosa gehörte zu den ersten Schwestern, die 1959 das neu erworbene Haus in Baumkirchen bezogen bzw. erst einmal bewohnbar machten. Die Zeit des Noviziats in Baumkirchen, die Sr. Rosa am 5. August 1961 mit der Ersten Profess abschloss, war von viel Armut und Arbeit gekennzeichnet. Die erste Professerneuerung am 5. August 1962 machte Sr. Rosa in Rottenbuch. 1967 legte sie ihre ewigen Gelübde in Baumkirchen ab. Sr. Rosa hat sich in mehreren Häusern mit vorwiegend hauswirtschaftlichen Tätigkeiten einfach und treu im Geist Don Boscos und Maria Mazzarellos eingebracht: 

1961–1963 | Baumkirchen 
Juniorat

1963–1966 | Innsbruck
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten, Oratorium

1966–1967 | Stams
Kindergartenhelferin, Oratorium

1967–1973 | Viktorsberg
Wäschepflege

1973 | Wien
Wäschepflege, Mithilfe in der Küche

1973–1984 | Baumkirchen
Wäschepflege

1984–1985 | Viktorsberg
Hauswirtschaftliche Tätigkeiten 

1985–1991 | Baumkirchen
Wäschepflege

1991–2006 | Stams
Mithilfe im Haus, Jahre der Krankheit

2006–2017 | Vöcklabruck SC
Mithilfe im Haus, Jahre der Krankheit 

Sr. Rosa hat es oft nicht leicht gehabt in ihrem Leben. Dennoch hat sie immer wieder Freude erlebt, wenn sie in der Gemeinschaft mithelfen und kreativ sein konnte. Besonders gern und viel hat sie gestickt. Noch im Februar habe ich zwei große, schöne Madonnen-Bilder nach Rom mitgenommen, die Sr. Rosa für Madre Yvonne und Sr. Piera Cavaglià gestickt hatte. Beiden hat sie sich immer herzlich verbunden gefühlt. 

Die Schwestern der Gemeinschaft Vöcklabruck SC haben Sr. Rosa in den letzten Jahren bestens betreut und alles für sie getan, was nur irgendwie möglich war. Ab März jedoch hat Sr. Rosa aufgrund ihrer fortschreitenden unheilbaren, sehr schmerzhaften Krebserkrankung im St. Barbara Hospiz des Ordensklinikums der Elisabethinen in Linz, das erst 2016 als erstes stationäres Hospiz von Oberösterreich eröffnet wurde, jene fachliche Pflege erfahren, die wir in unserem Haus nicht mehr bieten konnten. Obwohl es nicht leicht für sie war, die letzten Monate ihres Lebens außerhalb der Gemeinschaft zu verbringen, so lernte sie doch bald die so einfühlsame Pflege und Betreuung durch das gesamte Hospiz-Team schätzen. Zugleich war sie eingebunden in die Gemeinschaft der Elisabethinen, die sich sehr liebevoll um sie gekümmert haben. Eine Elisabethinen-Schwester, die noch kurz vor ihrem Tod sehr schön am Bett von Sr. Rosa gebetet hat, hat mir gesagt, dass ihre Gemeinschaft sie sehr geschätzt hat. Durch ihre Anwesenheit und die des ehemaligen Linzer Generalvikars Prälat Josef Ahammer, der erst am 30. Juli im Zimmer neben Sr. Rosa gestorben ist, sei das Hospiz erst richtig geistlich beseelt worden! 

Sehr gefreut hat sich Sr. Rosa auch über die aufmerksame seelsorgliche Betreuung durch Bischof em. Dr. Ludwig Schwarz SDB, der sie und Prälat Ahammer immer wieder gemeinsam besucht hat. Es war einfach schön zu sehen, wie sich Sr. Rosa in der Zeit im Hospiz ihre Krankheit bewusst annehmen konnte. So hat sie sich ganz ruhig und friedlich hineinfallen lassen können in die Arme Gottes, der sie mit ewiger Liebe geliebt hat. 

Sr. Rosa hat in ihrer letzten Lebenszeit viele Mandalas schön bunt ausgemalt. Diese meditative Tätigkeit, die sie mit der noch funktionierenden rechten Hand bis zum Schluss ausführen konnte, hat ihr bestimmt geholfen, immer mehr zur Mitte zu finden, zu Gott, ihrem Schöpfer. Ihre persönlichen Erinnerungen beschloss Sr. Rosa mit den Worten: „Jetzt bin ich 42 Jahre Professschwester, zufrieden und glücklich. Wenn auch die Krankheit manchmal die Freude nehmen will, aber im Herzen will ich Gott loben und danken für die vielen Wunder der Gnade.“ Danke, liebe Sr. Rosa, für Dein Lächeln, für Dein mutiges Durchhalten und für die Treue, mit der Du Deine Berufung als Don Bosco Schwester gelebt hast!

(Sr. Maria Maul, Provinzleiterin)

Parte

Zurück zur Übersicht