Abschied von Schwester Caroline Binder †

Am 2. Oktober ist unsere Mitschwester von uns gegangen. Hier finden Sie das Lebensbild.

Gott, der barmherzige Vater, holte 

Sr. Caroline Binder FMA

 im Alter von 86 Jahren 
am Montag, den 2. Oktober 2017 
im Ordensklinikum der Elisabethinen in Linz
heim in Seine Ewige Liebe.

Lebensbild

 

„Wer auf Maria vertraut, wird niemals enttäuscht.“

Dieses Wort Don Boscos hat Sr. Caroline den Schülerinnen ihrer „Patenklasse“, die ihr am 23. September zu ihrem Geburtstag gratulierten, fast wie ein Testament ans Herz gelegt! 

Die Mädchen hatten sie spontan gebeten, von ihren Erlebnissen während der Kriegszeit zu berichten, worauf sie ihnen auf spannende Weise erzählte, wie sie diese Zeit durch Gottes Schutz und die spürbare Hilfe Mariens überlebt hatte.  

Carolina Theresia wurde am 23. September 1931 in Pierbach im Mühlviertel (Oberösterreich) als zweites Kind (das erste starbbereits nach sechs Wochen) von Michael Binder und Maria, geb. Ruspeckhofer, geboren. Als Caroline vier Jahre alt war, mussten die Eltern ihren Besitz – eine kleine Landwirtschaft mit Mühle und Sägewerk – verkaufen und nach Linz ziehen, wo die Familie nach einigen Umzügen in der Don Bosco Pfarre „landete“. In der „kurzen Berufungsgeschichte“, die Sr. Caroline während ihrer Exerzitien im Jahr 1990 aufgezeichnet hatte, schrieb sie wörtlich: „Aus familiären Gründen wurde das notwendig und so – wie ich jetzt erkenne – der erste Meilenstein gesetzt auf dem Weg zu meiner Berufung. Die Göttliche Vorsehung war wunderbar! Ich kam noch ein Jahr zu den Don Bosco Schwestern in den Kindergarten, wo ich kurze Zeit von Sr. Anna Jansen und die übrige Zeit von Sr. Theresia Müller betreut wurde. Dieser Jahrgang wurde zur Frühkommunion vorbereitet. So ging ich schon mit fünfeinhalb Jahren das erste Mal zum Tisch des Herrn. Von da an war ich an der Seite meiner Eltern jeden Sonntag an der Kommunionbank und jeden Monat vor dem Beichtstuhl.“   

1938 wurde Carolines Schwester Adolfine geboren, die ebenfalls Don Bosco Schwester ist; 1940 kam Erwin auf die Welt, der Salesianischer Mitarbeiter werden sollte. „Da unser Vater bald nach der Geburt unseres Bruders in den Krieg musste, lag die ganze Überlebens- und Erziehungssorge auf den Schultern meiner guten Mutter. Sie zog mich fest zur Mitarbeit heran und vor allem waren mir meine kleinen Geschwister oft stundenlang anvertraut. Meine Geschwister zu behüten galt mir alles.“

Immer wieder hat Sr. Caroline in Vöcklabruck den Schülerinnen von den schrecklichen Erlebnissen während des Zweiten Weltkriegs erzählt, die sie auch in ihren persönlichen Erinnerungen festgehalten hat: „Wir wurden zweimal ausgebombt, mussten zu den Stiefgroßeltern ins Mühlviertel und wurden dort, nach dem Krieg, von den Russen hart bedrängt.“

Wieder nach Linz zurückgekehrt, begann für Caroline und ihre Geschwister bei den Don Bosco Schwestern, in deren unmittelbarer Nähe sie wohnten, ein neues Leben. Während Caroline von 1947 bis 1949 die Privat-Bildungsanstalt der Kreuzschwestern in Linz  absolvierte, die sie mit dem Befähigungszeugnis als Kindergärtnerin und Hortnerin im Juni 1949 abschloss, besuchte sie das Oratorium und die Nähschule der Schwestern. „In diese Zeit fällt wieder eine Episode, die mein junges Leben prägte. Sr. Marianne Ramel, damals noch Fräulein, arbeitete im Kindergarten bei Sr. Theresia Müller und bereitete sich auf den Eintritt ins Noviziat vor. Ich fragte sie, ob sie sich auf den Eintritt freue. Sie bejahte meine Frage sehr glaubwürdig. Weiter fragte ich, was man tun müsse, um Schwester zu werden. Ihre Antwort war, fleißig in die hl. Messe zu gehen. (…) Von da an begann mein intimer Weg mit Christus. Vorerst sehr zaghaft, dann aber immer bewusster und sicherer. (…) Parallel dazu kam die frohe Atmosphäre bei den Schwestern und die kindliche Verehrung einer Don Bosco Schwester von Format, von Sr. Margareta Hofmann. Ihre Fröhlichkeit, Frömmigkeit und Liebe, samt grenzenlosem Eifer für die Jugend erfassten mein junges Leben total und ich warf mich ins Leben des Oratoriums wie ein glücklicher Vogel, der die herrliche Weite der Lüfte erlebt, und nach dem Kindergartenseminar in die Arme unserer geliebten Kongregation.“ 

Tatsächlich bestätigte ihr der Salesianer-Direktor und Pfarrer von Linz Don Bosco P. Franz Stöglehner für ihren Ordenseintritt 1949, dass sie durch ihre religiöse Haltung, den fast täglichen Kommunionempfang und ihr einwandfreies Leben allen in der Pfarre ein Vorbild war. So ging Caroline zu den Don Bosco Schwestern nach Innsbruck (Museumsstraße), wo sie unter der Leitung von Sr. Itala Carabelli neun Monate als zweite Kindergärtnerin wirkte. Die restliche Zeit der Kandidatur und des Postulats machte sie bis August 1950 in Eschelbach. Am 5. August 1952 legte sie in Rottenbuch in Bayern, wo sie die Noviziatszeit verbracht hatte, die Erste Profess ab. 

Gleich am Tag darauf, am 6. August, übernahm sie in Gramatneusiedl den Kindergarten, Klavierstunden, das Oratorium und die Ehemaligen. „Wir lebten sehr arm. Statt Kohle heizten wir mit Laub, gemischt mit Sägespänen und altem Autoöl. Die meisten Lebensmittel bekamen wir von den Bauern geschenkt, Mehl holten wir im Lagerhaus und tauschten dieses für Brot ein. (…) Unser kleines Haus war sehr alt, feucht und reparaturbedürftig. Wir schliefen auf dem notdürftig ausgebauten Dachboden, dessen Dach nicht isoliert war: im Sommer brütende Hitze und im Winter bittere Kälte. Das Oberbett war am Morgen steif vom gefrorenen Atem, die Wände glitzerten weihnachtlich und das Bett machten wir mit Handschuhen. Wir hatten keine Wärmeflasche, nur einen Ziegel, den wir am Abend erwärmen konnten.“ 

Sr. Caroline legte am 5. August 1958 in Linz die Ewige Profess ab und blieb bis 1962 in Gramatneusiedl. Danach war sie an verschiedenen Orten als begeisterte Kindergärtnerin, begabte Lehrerin und beliebte Oberin tätig:  

1962–1966
Klagenfurt: Kindergärtnerin, Oratorium, Jungschar

1966–1968
Cinisello, Mailand: Lehrerin – Deutschunterricht

1968–1969
Klagenfurt: Kindergärtnerin, Oratorium

1969–1972
Viktorsberg: Oberin 

1972–1978
Bludenz: Oberin, Kindergartenleiterin, Jungschar, Delegierte für die SMDB 

1978–1982
Vöcklabruck: Erzieherin, Lehrerin

1982–1987
Klagenfurt: Oberin 

1987–1994
Klagenfurt: Kindergärtnerin, Oratorium, Erzieherin  

1994–2005
Vöcklabruck: ab 1995 im Externat, Seniorentanzleiterin bis 2006 

1995–1997
Ausbildung zur Tanzleiterin für Seniorentanz in Strobl / St. Wolfgang 

2005–2017
Vöcklabruck SC: Mithilfe im Haus, beim Tanz, bei der Fest- und Feiergestaltung

Vor allem von Vöcklabruck aus hat Sr. Caroline vielfältig aktiv sein können. Sie war eine der ersten Schwestern, die Ende der Siebzigerjahre mit den Salesianern in der freien Jugendarbeit zusammengearbeitet haben. Besonders mit P. Josef Vösl und Sr. Maria Wallner hat sie gern sowohl die Ostertage in Johnsdorf als auch die BIG (= Begeisterung, Initiative, Glaube)-Wochenenden gestaltet und dabei viele junge Menschen begeistert – auch mich, als ich einmal als Jugendliche von Graz aus in Klagenfurt an einer BIG-Veranstaltung teilnehmen konnte. 

Eine ehemalige Kollegin der Don Bosco Schulen hat mir geschrieben: „Ich habe Sr. Caroline als lebensbejahende, äußerst aktive, vor Begeisterung sprühende Klosterfrau in Erinnerung. Besonders denke ich an ‚ihren‘ Klostermarkt, zu dem sie fast alles brauchen konnte. Bewundert habe ich in besonderer Weise, wie sie in den letzten Jahren mit ihrer Sehschwäche umgegangen ist!“ 

Tatsächlich war Sr. Caroline trotz dieser Einschränkung bis zu ihrem letzten Atemzug unglaublich beherzt. Eine große Freude waren ihr die Tanzrunden, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester Sr. Adolfine nicht nur dazu nützte, viele Frauen und Männer der Umgebung das Tanzbein schwingen zu lassen, sondern sie auch für das Engagement zugunsten unserer Missionsprojekte zu begeistern.  

Besonders beliebt waren bei den Schwestern ihre kreativen Ideen zur Fest- und Feiergestaltung, mit denen sie Sr. Adolfine ganz wunderbar in der salesianischen Animation der Gemeinschaft unterstützte. Ein besonderes Talent hatte sie fürs Erzählen – mit Spannung erwarteten die Mitschwestern jeden Sonntagnachmittag, wie wohl der Roman weitergehen würde, den sie, angeregt durch Geschichten aus „Radio Horeb“, in ihrer Fantasie erfand. Ebenso gespannt lauschten die Schülerinnen der 3. BAKIP B, für die sie die Gebetspatenschaft übernommen hatte, wenn sie ihnen aus ihrem Leben erzählte. Einfach wunderschön war es zu sehen, wie herzlich sie den künftigen Kindergartenpädagoginnen verbunden war, für die sie sich immer neue kreative Überraschungen ausdachte. Wie schön daher, dass sie den Auferstehungsgottesdienst für sie gesungen haben! Immer wieder machte sie beim Gebet eine Fürbitte für die SchülerInnen unserer Schulen und für die geplante spirituelle Wohngemeinschaft in Salzburg. Als waschechte Don Bosco Schwester schlug ihr Herz im wahrsten Sinn des Wortes bis zum letzten Atemzug für die jungen Menschen. 

Im Alltag der Schwesterngemeinschaft widmete sich Sr. Caroline bis zum letzten Augenblick ihres Lebens den verschiedensten Hausarbeiten, vor allem dem Geschirrabwaschen und dem Bügeln. Bei all ihrer äußeren Aktivität jedoch pflegte sie ein bewundernswertes innerliches Leben. Täglich war sie, nachdem sie schon den Geschirrspüler ausgeräumt hatte, die Erste in der Kapelle. Die stille Stunde am Morgen, in der sie in Liebe vor Gott verweilte, bedeutete ihr alles. 

In das Vorstellungsbuch, das wir im Vorfeld der Zusammenlegung unserer österreichischen mit der deutschen Provinz 2013 zum besseren gegenseitigen Kennenlernen erstellt haben, hat sie geschrieben: „Ich baue darauf, dass der Herr mich stützt, mich in meiner Blindheit gut leitet. Als einstige Erzieherin und Kindergärtnerin liebe ich kreative und meditative Festgestaltung im Schwesternkreis und in der Frauenrunde. Gerne animiere ich auch für die Missionsarbeit. Es freut mich, dass ich in einer fröhlichen, salesianisch geprägten Gemeinschaft leben und wirken darf. Besonders mag ich den Psalm 63: ‚Gott, du mein Gott, dich suche ich‘ und das Gebet: ‚Komm, hl. Geist erleuchte mich, mit deiner Gnade stärke mich‘, das Magnifikat, den Rosenkranz und das Lied ‚Alles meinem Gott zu Ehren‘. Ich wünsche mir, mein Lebensziel zu erreichen: Jesus und Maria mit geheilten Augen zu sehen. Was ich sagen möchte: Jammert nie über eure ‚Wehwehchen‘, die nur der Herr versteht. Wisst, dass ich eine jede von euch gerne kennenlernen möchte.“ 

Die Feier ihres 65-jährigen Professjubiläums heuer im August hat Sr. Caroline genützt, auf ihr Leben zurückzublicken, voll Dankbarkeit für die wunderbaren Wege, die Gott sie geführt hat.

Ein besonders Geschenk war es für sie, dass sie noch am Sonntag, den 1. Oktober, bei Bischof em. Dr. Ludwig Schwarz, für dessen geistliche Begleitung in den letzten eineinhalb Jahren sie so dankbar war, zur Beichte gehen konnte. Am 2. Oktober brach sie ganz unerwartet während des Abendessens zusammen. Der gerufene Notarzt hat sie sofort mit Verdacht auf Herzinfarkt auf die Herz-Intensivstation des Ordensklinikums der Elisabethinen in Linz eingeliefert. Dort wurde ein Aortenriss der Herzschlagader festgestellt, der ihr keine Überlebenschance ließ. Der Krankenhausseelsorger spendete ihr noch die Krankensalbung. Beim Singen des Liedes „Segne du Maria“ durfte Sr. Caroline ihr reiches Leben an der Hand ihres Bruders Erwin und Sr. Maria Schöffls in die Hände des gütigen Vaters zurückgeben. Die Elisabethinen hielten gerade in dieser Nacht durchgehende Anbetung. 

Ihre Aufzeichnungen während der Exerzitien von 1990 hat Sr. Caroline mit folgenden Worten beendet: 
„Unter Mariens Schutz, mit Don Bosco als Vorbild arbeite ich im Weinberg des Herrn, zu Seiner Ehre, zum Wohl der Kinder und der Jugend und zum Heil meiner Seele, so lange, bis die Göttliche Vorsehung meinen letzten Meilenstein setzt und ich heimgehen darf, um den endlich zu sehen, für den ich gelebt, gelitten und geliebt habe – Jesus Christus. Eine glückliche Don Bosco Schwester.“ 

Von Herzen danke, liebe Sr. Caroline, dass auch ich Dich in meiner Jugendzeit in Graz Don Bosco als glückliche Schwester kennenlernen durfte – Du hast mich damals mit Deiner Begeisterung angesteckt und mich in meinem Wunsch bestärkt, ebenfalls für immer im Geist Don Boscos und Maria Mazzarellos zu leben. Wir alle vermissen Dich – und doch tröstet uns die Gewissheit, dass Du nun im Himmel nicht nur das Oktoberfest feierst, das Du noch so fantasievoll für Deine Gemeinschaft vorbereitet hast, sondern das ewige Fest der Liebe Gottes, in der Dir das Glück, das Du schon auf Erden verkosten hast dürfen, in alle Ewigkeit geschenkt ist.

Sr. Maria Maul

 

Zurück zur Übersicht