Auf den Spuren unserer Ordensgründer

Sr. Bernadeth Geiger über ihr Vorbereitungsmonat mit anderen Junioratsschwestern.

Vorbereitungsmonat auf die ewige Profess in Turin, Mornese und Pella

Vom 1. bis 27. Juli waren wir - insgesamt 28 Junioratsschwestern aus 18 verschiedenen Ländern (aus 22 unterschiedlichen Provinzen und hätte jede in ihrer eigenen Sprache sprechen können, wären es 16 versch. Sprachen gewesen) – in Turin und Mornese auf den Spuren Don Boscos und Maria Mazzarellos unterwegs. Dieser Monat diente der Vorbereitung auf unsere bevorstehende ewige Profess, die jede Schwester rund um den 5. August in ihrer Heimatprovinz ablegen wird.

Begonnen haben wir in Turin. Pater Enrico Lupano SDB führte uns in diesen Tagen zu Orten an denen Don Bosco gelebt und gewirkt hat. Das Besondere dieser Tage war für uns alle, dass wir Don Bosco nicht nur als den großen Jugendapostel neu kennengelernt haben sondern auch einen Don Bosco der durch viele Schwierigkeiten gegangen ist, mit Gott gerungen hat und manchmal auch nicht mehr weiter wusste. Eine Seite Don Boscos die auf den ersten Blick nicht ersichtlich ist und doch musste auch aus dem kleinen Giovannino erst Schritt für Schritt der bekannte Don Bosco werden.

Bereits in seiner Kindheit hatte Giovanni Herausforderungen zu meistern …
Um die Grundschule besuchen zu können musste der 13-jährige Giovanni jeden Tag 4mal von Becchi seinem Heimatort aus nach Castelnuovo gehen, das sind 20 km am Tag. Enrico ist mit uns diese Strecke bei brennender Hitze gegangen - Giovanni ging sie sicher auch bei strömenden Regen!

Von seinem 15. bis 19. Lebensjahr verbrachte Giovanni die Schulzeit in Chieri. In dieser Zeit war er in sechs versch. Gastfamilien untergebracht wo er mithalf um sich auch sein Schulgeld zu verdienen, so lernte er auch verschiedene Berufe, die ihm später nützlich waren. Er musste schon früh lernen immer wieder loszulassen und neu aufzubrechen.
Ein für mich sehr beeindruckender Ort war das Kaffee „Pianta“ in Chieri. Dort bekam Giovanni eine kleine Nische unter der Treppe als Schlafplatz. Giovanni ein Bub aufgewachsen auf dem Land, musste sich jetzt in einer Großstadt mit einem dunklen, engen Platz unter einer Treppe zufrieden geben. Untertags ging er zur Schule und abends half er im Kaffee aus und lernte bis spät in die Nacht.

Auch seine Zeit als Seminarist in Chieri war immer wieder mit der Frage nach dem Willen Gottes begleitet. Sein Priesterfreund Don Cafasso, hat ihn auf seiner Suche begleitet. Er riet ihm: „Geh hinaus auf die Straßen und Plätze Turins und mach dir ein Bild von der Situation der Jugendlichen.“ Don Bosco ging die Jugendlichen suchen, er ging ihnen entgegen, davon sprechen die Straßen und Plätze Turins – und das hat uns sehr zum Nachdenken gebracht in wieweit wir den ersten Schritt hin zu den Jugendlichen machen.

Wie sehr er auch mit Gott gerungen hat, konnten wir nachspüren an dem Ort wo sich damals die Prati Filippi (Wiesen des Hr. Philippi) befanden. „Wohin mit 300 Jugendlichen ?“, unter Tränen rang Don Bosco mit Gott, nachdem er von den Leuten wegen Lärmbelästigung vertrieben wurde.

„Ich habe gehört Sie suchen ein Laboratorium?“, zwar suchte Don Bosco keine Laboratorium sondern eine Platz für sein Oratorium, aber das Angebot des Hr. Pancrazio Soave war der Beginn eines stabilen Ortes für Don Bosco und seine Buben. Die Kapelle Pinardi erinnert heute an diesen Platz.

Das Herzstück Turins – die Maria Hilf Basilika – war auch für uns alle ein besonderer Ort. „Maria ha fatto tutto“ – „Maria hat alles gemacht“, so sagte Don Bosco und aus Dankbarkeit an diese himmlische Mutter ließ er ihr zu Ehren diese Kirche bauen.

Beim Besuch der Basilika sagte Enrico zu uns: „Das ist eure Basilika“, dieser Satz hat mich sehr berührt, weil Enrico damit den Auftrag jeder Don Bosco Schwester in Worte gefasst hat. Das, was diese Basilika aus Steinen erbaut ausdrückt, sollen wir, Töchter Maria Hilfe der Christen auf Wunsch Don Boscos durch unser Leben sein. Die Basilika erinnert uns daran in der Haltung der Dankbarkeit und im Vertrauen auf Maria zu leben.

Vom 8. bis 18. Juli waren wir in Mornese, einem kleinen Dorf im Piemont und dem Geburtsort unserer Mitbegründerin Maria Domenica Mazzarello. Schweste. Ivana Milesi FMA und Marco Rossetti SDB haben uns in dieser Zeit begleitet. Auch in Mornese hat Schwester Silvana uns Maria Mazzarello nicht nur als Heilige sondern auch als eine die es erst werden musste näher gebracht.

Während dem Rundgang durch den kleinen Ort Mornese – der heute ca. 700 Einwohner zählt konnten wir Marias Leben nachgehen. Die Häuser die für Maria wichtige Wegstationen in ihrem Leben waren stehen heute noch.

An jedem Haus wurden wir eingeladen einen Aspekt unseres Lebens besonders anzuschauen. So erinnerten wir uns im Geburtshaus Maria Mazzarellos dankbar an unsere Eltern und an das Geschenk des Lebens. Am Haus des Typhus, dort wo Maria typhuskrank fast ein Jahr lang gepflegt werden musste, erinnerten wir uns an schwierige Situationen unseres Lebens um diese vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen. Das Kolleg in italiensch Colleggio erinnerte uns an die Anfänge unseres Institutes. Maria Mazzarello hat dort gemeinsam mit 11 jungen Frauen in die Hände Don Boscos am 5. August 1872 die erste Profess abgelegt. Von dort aus hat sie unzählige Briefe an ihre Mitschwestern in der Mission geschrieben. Ihre Ratschläge, ihr Mitgefühl und ihre Sorge um jede einzelne Mitschwester zeigen ihr großes mütterliches Herz.

Heute lebt und wirkt im Colleggio eine unserer Schwesterngemeinschaften. Auch die Valponasca, ein kleines Haus auf der Anhöhe von Mornese erinnert an die Jugendzeit Maria Mazzarellos. Von dem berühmten Fenster der Valponasca aus betete die Familie Mazzarello jeden Abend den Rosenkranz mit Blick auf die Pfarrkirche von Mornese.

Ungefähr eine Autostunde von Mornese entfernt befindet sich Nizza Monferrato. Maria Mazzarello lebte dort die letzten drei Jahre ihres Lebens und starb am 13. Mai 1888. Dankbar für ihr Lebenszeugnis hielten wir in ihrem Sterbezimmer eine kleine Andacht.

Auch am Hafen von Genua waren wir um dort zurück zu denken an den 14. November 1877 als die ersten 6 Schwestern in die Mission nach Uruguay aufbrachen.

Das Leben unserer beiden Gründer verlief unterschiedlich. Aus dem Leben Don Boscos lassen sich viele Geschichten erzählen, während das Leben Maria Mazzarellos nach außen nicht so spektakulär scheint. Und doch erfahren wir durch ihre Briefe viel von ihrer inneren Haltung. Die Beiden verband nicht nur die Vorliebe zu den Kindern und Jugendlichen sondern zutiefst auch die Werte unserer Pädagogik.

Ein Salesianer Pater in Mornese brachte es auf den Punkt: „An den Ratschlägen und Briefen Maria Mazzarellos können wir ablesen, welche inneren Haltungen Don Bosco selbst gelebt hat und ihm wichtig waren.“

Mit den Exerzitien in Pella, Provinz Novara vom 19. bis 27. Juli schlossen wir diese wertvolle Zeit, auf den Spuren unserer Gründer ab.

(Sr. Bernadeth Geiger)

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